Sonntag, 6. Januar 2013

Algund 10 - Vigiljoch





Auf das Vigiljoch



Morgens das Fenster öffnen und die Sonne genießen war eines. Also wieder auf, hinauf in die Berge, es wäre schade, einen solchen Tag zu verschlafen. Geplant war, zum Vigiljoch mit dem alten Kirchlein zu wandern.



Vor Jahren waren wir schon einmal dort, aber von der anderen Seite. Nun wollten wir den Berg von der Algunder Seite aus erobern. Von Rabland aus fährt eine historisch zu nennende kleine Kabine, Fassungsvermögen 10 Personen - sie dürften sogar übergewichtig sein - hinauf nach Aschbach, eine der Fraktionen von Algund. 



Hier sollte man zuerst die Aussicht in den Vinschgau und hinüber zur Texelgruppe genießen. Dann kann man entweder etwas entspannter auf dem Forstweg hinauf zum Vigiljoch wandern oder ambitionierter auf einem Steig. Die Zeit bleibt sich in etwa gleich. 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden, dann hat man das Kirchlein erreicht.



Die alte Kirche markierte die Nordgrenze des Bistums Trient. Sie geht auf verschiedene Perioden zurück: Das Langhaus stammt aus der Romanik, der Chor mit dem Rippengewölbe und der Turm wurden Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut. In der Kirche befinden sich bedeutende Fresken von Ende des 14. Jahrhunderts: Apostel unter dem Baldachin, Passions und die 24 Ältesten. Das Kruzifix geht auf das 16. Jahrhundert zurück.



Von hier gibt es auch eine Sage. Die Bewohner der auch Löwenberg genannte Burg Lebenberg waren einst ein wildes Volk. Besonders ein Ritter trieb es ganz besonders toll. Dies kam auch einem Pfarrer zu Ohren. Dieser ermahnte ihn immer wieder zu einem besseren Leben, aber all das fruchtete nichts. Schließlich wurde er wegen der vielen Vorhaltungen des Priesters so ärgerlich, dass er ihn auf ein Pferd binden und hinauf zum Vigiljoch bringen ließ. Dort ließ er ihn in einem kleinen See – vielleicht der Schwarzen Lacke? – ertränken. Seither geistert es um den See herum und bei Gewittern hört man aus ihm ein dumpfes Grollen und Grummeln. Dann taucht ein geisterhaftes, kleines Tier, einem Hund ähnlich, auf. Es erschreckt die Menschen, lässt aber nie einen nahe kommen. Auch der böse Ritter endete am Vigiljoch, denn er ritt einmal an einem Karfreitag, anstatt zur Kirche zu gehen, dorthin zur Jagd. Beim Anblick des Sees stürmte sein Pferd hinein und der Ritter ertrank jämmerlich. Seither muss er als wilder Jäger um das Vigiljoch herum geistern.

Oben war Fest. Kinder hatten überall Blätter mit Märchen und Bildern aufgehängt, erzählten Sagen von St. Vigil, Grimms Märchen, trugen Gedichte vor und noch viel mehr. Schade dass man viele enttäuschen musste, weil man sich ja nicht alles anhören konnte. Sie hatten sich ja alle vorbereitet und waren bereit, ihr Bestes zu geben. 

Von oben hat man auch einen prächtigen Blick zur Texelgruppe und in Richtung Überetsch mit dem markanten Gantkofel. Auch die Kirche sollte man besichtigen.

Danach geht es in rund zwanzig Minuten zur Schwarzen Lacke. Ginge es eigentlich, aber links und rechts des Weges blühte es verführerisch, und dass musste bewundert und fotografiert werden: Große Glocken von leuchtend blauem Enzian, zartfarbene Krokusse - und sogar eine Kolonie von Kuhschellen entdeckte der Autor.

An der Schwarzen Lacke hatte eine Jugendband ihr Lager aufgeschlagen. Sie übte zwar noch, aber es war zu vermuten, dass es später noch ganz schön grooven würde. Leider konnten wir nicht so lange warten. Immerhin konnten wir den idyllischen Anblick des Sees genießen, auch eine Einkehr im Gasthof lockte. 

Danach führte uns ein steiler Steig in knapp einer Stunde wieder hinab nach Aschbach. Jetzt sollte man sich auch die beiden kleinen Kirchen ansehen. Im Dorf selbst, direkt am Wanderweg, liegt die 1889 erbaute Kirche zum Herzen Jesu. Sie wurde 1897 von Theodor Spöttl im Stil des Historismus ausgemalt. Etwas tiefer auf einem vorgelagerten Hügel steht das Kirchlein Maria Schnee. Der Platz, ein prima Aussichtsbalkon, ist hervorragend gewählt; innen hat die Kirche aber nicht viel zu bieten.

Danach wartete auch schon die Bahn, die heute laufend fahren musste, um die vielen Ausflügler emporzuschaufeln.
Insgesamt braucht man für diese Tour nicht einmal ganz 3 Stunden, an Höhenunterschied fallen 670 Meter an.
Info:
Tourismusverein Algund, Hans-Gamper-Platz 3, I 39022 Algund, Telefon 0039 0473 448600, Fax 0039 0473 8917,
Unterkunft:
Ruster Resort, Rosengartenstr. 1-3, I 39022 Algund,
Telefon 0039 0473 222303, Fax 0039 0473 443250
Karten:
1:25000 Kompass Karte 053 Meran
1:25000 Tappeiner Karte Algund und Umgebung


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Weitere Impressionen aus der Tour zum Vigiljoch


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