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Auf und Ab zwischen Reben und Wald
Viel Aussicht im Fränkischen Weinland
Dass man von dort, wo es Weinberge gibt, auch immer eine prächtige Aussicht hat, braucht man sicher nicht besonders zu betonen. Mich hat interessiert, wie es anderswo als in den württembergischen und badischen Weinbaugebieten in Sachen Wandern und Aussicht aussieht, und so habe ich ein paar Tage im Fränkischen Weinland, grob gesagt zwischen Aschaffenburg, Würzburg und Schweinfurt, verbracht.
Auch noch Süddeutschland, aber eben in Bayern gelegen. Vergleichbar mit Neckar und Rems im Württembergischen die Steilhänge, so ist es dort der Main. Auf ihn durfte ich immer wieder hinabblicken und bin auch auf einem interessanten Wanderweg von Schleuse zu Schleuse an ihm vorbei gewandert. Ansonsten habe ich mich mit Auf und Ab in Weinbergen mit entsprechender Aussicht bewegt.
Auf der „Sonnenseite in Franken“ …
… so preist sich das Gebiet an, in dem ich mich bewegte. Fränkisches Weinland genau. Das hört sich natürlich gut an. Für einen Weinliebhaber sowieso, aber natürlich auch für diejenigen, die wandernd Landschaft und Natur hier genießen wollen.
Weinberge und „terroir f“
„terroir f“, auf diesen Begriff stößt man in Weinfranken oft. Was bedeutet das? Dazu zuerst etwas Abschweifung: Warum besteigt man eigentlich einen Berg? Der berühmte Bergsteiger George Mallory wusste auf die Frage eines Reporters der New York Times während einer Vortragstournee in den USA die mittlerweile viel zitierte Antwort dazu: „Because it is there“, sprich „Weil er da ist“. Nun, es gibt auch andere Gründe, die wir alle kennen: Wegen der Aussicht zum Beispiel.
Im Fränkischen Weinland sind die Gipfel zwar nicht ganz so hoch wie der Mount Everest, Mallorys Sehnsuchtsberg, aber prächtige Aussichten gibt es dort auf jeden Fall. Deshalb wurden an besonders schönen Stellen Aussichtsplattformen eingerichtet, die „terroir f“ genannt werden. „f“ steht dabei für Franken, und das Ganze steht unter dem Oberbegriff „Die magischen Orte des fränkischen Weines“. Drei davon habe ich auf meinen Wanderungen besucht. Diese Punkte sind immer einem bestimmten Thema gewidmet. Die Aussicht ist überall grandios, und dazu gibt es jeweils eine besondere Architektur und auf Schautafeln und teilweise mit Filmen wird Wissenswertes über Wein beschrieben.
Hinauf also, zum terroir f Nordheim
Meine erste Wanderung führte mich vom in einer Mainschleife gelegenen Nordheim hinauf zu einem „terroir f“-Aussichtspunkt, alles ständig durch Weinberge. Obwohl erst Mitte September, war die Lese für das Jahr 2026 schon vorbei – der bekannte Ausnahmesommer mit seiner Hitze hat die Winzer schon früh zur Lese gezwungen.
Auf dem Weg hinauf bot sich ein Abstecher an, zum „Weinkino“. Unter einem architektonisch interessanten Rechteck stehen hier kinoähnliche Sessel, die wirklich dazu verlocken, hier eine Pause einzulegen und die Landschaft zu genießen. Verlängert man den Abstecher noch etwas, kommt man zu einer Schutzhütte, an der nicht nur die Namen der aus Nordheim stammenden fränkischen Weinköniginnen aufgezählt sind, sondern man hat auch einen herrlichen Blick über den Main nach Volkach, mein geplantes Übernachtungsziel.
Mit weiterem Aufstieg erreichte ich dann endlich den ersehnten Aussichtspunkt. Er bot einen Blick über Nordheim und den Main auf den gegenüberliegenden Weinberg und die historische, bereits zur Keltenzeit besiedelten Vogelsburg. Dazu konnte ich am terroir f-Punkt ein Gemälde zum Thema Wein bewundern und mich in das Thema hier, Weinpersönlichkeiten, einlesen. Das Bild ist 16 Meter lang und 2 ½ Meter hoch und in der Weinwelt wohl einmalig. Es erzählt in naturalistischer Darstellung humorvoll von der Arbeit im Weinberg und im Keller, der Weinkultur und dem Weingenuss.
Auf dem Mainfähren-Wanderweg
Wer nun denkt, so direkt am Fluss gibt es doch weder Aussicht noch Weinberge, täuscht sich. Was meine nächste Wanderung bewies. Nach der ersten Überquerung des Mains bei Wipfeld mit einer Fähre ging es nämlich zuerst steil hinauf zur kleinen Marienkapelle Lindach. Von ihr aus reichte die Sicht über die Weinberge, die den Fluss begleiten, zu den hiesigen Weinorten. Danach wanderte ich in das kleine Stammheim, das nicht nur ein Museum für Militär- und Zeitgeschichte besitzt, sogar mit echten Flugzeugen, sondern auch einige sehenswerte Gebäude.
Wieder durch Weinberge wandernd erreichte ich danach wieder den Ausgangsort. Zum Stichwort „Fähre“ wäre noch zu sagen, dass der „Betrieb der Mainfähren in Franken“ mindestens seit dem 16. Jahrhundert besteht und 2022 in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Bayern aufgenommen und damit von der UN geschützt wurde.
Stadtkultur vom Feinsten
Nun lebt der Mensch nicht nur vom Brot allein, auch nicht vom Wein oder vom Wandern. Etwas Kultur muss schon auch sein. Ich habe zweimal in Städten übernachtet, die sicher zu den schönsten im südlichen Teil Deutschlands gehören. Das eine Mal in Volkach, das andere in Iphofen. Beide besitzen eine Vielzahl von gut erhaltenen historischen Gebäuden und Kirchen aus verschiedenen Epochen, sodass an den jeweiligen Abenden ein Stadtrundgang Pflicht war.
Impressionen aus Volkach
Impressionen aus Iphofen
Zweimal schönste Weinsicht, zweimal terroir f
Für mein nächstes Aussichtsziel folgte ich der „TraumRunde Rödelsee“ sanft ansteigend zu einem der außergewöhnlichsten terroir f-Punkte. In Form eines blendend weißen Zylinders angelegt, blickt man von hier wie aus einem Fernglas aus ins Land. Dazu lernt man mit Wort, Bild und einem Film viel über das Thema dieses Punktes, den Silvaner, das berühmteste Erzeugnis der weinfränkischen Winzer.
Danach stieg ich hinauf zum Gipfelplateau des Schwanbergs. Außer einem Kloster und einer leuchtend roten Kirche mit einer außergewöhnlichen modernen Architektur findet man hier einen wunderbar idyllischen Schlosspark mit alten Skulpturen. Die Hochfläche überquerend erreichte ich den kleinen Birkensee, ein Idyll mitten im Wald, bevor es steil wieder hinabging, zum terroir f Iphofen.
Das Thema am terroir f Iphofen ist die Weite, u.a. der Weinbau in fernen und exotischen Ländern. Dass der Blick auch hier grandios ist sieht man schon daran, dass der Punkt 2016 vom Deutschen Weininstitut zur „Schönsten Weinsicht Frankens“ gewählt wurde. Dem kann man schlecht widersprechen.
Schloss, Weingut und Aussicht
Ein weiteres Aussichtsziel liegt am Rand des Naturparks Steigerwald, aber außerhalb des Waldes, umgeben von herrlichen Weinbergen: Das am Steilhang liegende Örtchen Castell, Sitz des Fürsten zu Castell-Castell (nicht zu verwechseln mit der noch aus der Schulzeit bekannten Blei- und Bundstift-Dynastie Faber-Castell!), der hier eine riesige Domäne bewirtschaftet und unzählige Sorten Wein anbaut. Hier lockte mich die zweite Schönste Weinsicht Frankens, dieses Mal von 2012, mit einem herrlichen Blick über die Castell‘schen Weinberge. Daneben steht eine riesige Gerichtslinde unbestimmten Alters und hinter ihr liegt auf einem Hügel die Burgruine Castell. Von einem Waldparkplatz aus sind diese Sehenswürdigkeiten schnell erreicht. Aber es gibt unzählige markierte Wanderwege, mit denen man die Gegend genauer erkunden kann.
Irgendwann war dann aber auch Schluss mit der Kombination Wein und Aussicht und somit mit der Reise. Aber ich konnte mich mit dem Wissen trösten, dass es auch in unserem Bundesland herrliche Landstriche mit Weinbergen gibt, die ich noch nicht alle gesehen habe.
Wein muss man trinken
Zweimal habe ich ein Weingut besucht und mich durch die Produktpalette getrunken (bzw. den herrlichen Rebensaft wieder ausgespuckt, um nicht heimlaufen zu müssen …). In Wipfeld konnte ich mit dem Weingut Lother eines der größten der Region besichtigen. Wie man mir sagte, besitzt es über 500 Auszeichnungen. Es stellt neben der ganzen konventionellen Produktpalette auch einen hervorragenden alkoholfreien Wein her. Das kommt nicht oft vor, weil es gar nicht so einfach ist. Auch ein „Produkt“ des Winzers ist ein beliebtes „Escape“-Spiel, bei dem die (erwachsenen) Teilnehmer mit einer Weinflasche im Rucksack durch die Weinberge wandern und Rätsel lösen müssen. www.weingut-lother.de
Mein zweiter Besuch galt der riesigen Castell’schen Domäne, die auf eine lange Geschichte zurückblickt, als Adelshaus wie als Weingut. Natürlich ebenfalls mit zahlreichen prämierten Spitzengewächsen, und ebenfalls einem der seltenen alkoholfreien Weine, die trinkbar sind. Der von hier perlt recht kräftig und hat deshalb fast eine sektartige Anmutung. Aber das Hauptaugenmerk galt natürlich nicht diesem Nischenprodukt, sondern dem „richtigen“ Wein, bis hinauf zu den großen Gewächsen. Wie ich erfuhr, ist hier der älteste Anbau des aus Österreich stammenden Sylvaners von 1659 dokumentiert. Ich durfte auch die alten Fässer im noch älteren Kellergewölbe des Schlosses besichtigen, was sehr beeindruckend war. Davor oder danach lohnt sich ein kleiner Bummel durch den Ort und den zur Besichtigung freien Schlosspark. Allerdings: Der Ort liegt am Steilhang! Aber das ist ja bei den Wanderungen hier nichts besonderes mehr … www.castell.de
Info:
Fränkisches Weinland Tourismus
Karte:
KOMPASS Wanderkarte 166 Würzburg, Maindreieck, Schweinfurt, Fränkisches Weinland
Hier kann man sich Lust auf das Fränkische Weinland machen:
https://www.youtube.com/@VINOMAGIEF
https://www.youtube.com/watch?v=0WBmRlCvdkk
https://www.instagram.com/reel/DdO2J5mMyEO/?utm_source=ig_web_copy_link&stkn=MzRlODBiNWFlZA==





