Donnerstag, 27. April 2017

Yehudin Menuhin Festival in Gstaad

  Das Yehudin Menuhin Festival
in Gstaad in allen Facetten



Geschichte des Gstaad Menuhin Festival& Academy AG
Eine spontane Idee wird zur Tradition

Mitte der 1950er Jahre entdecken Yehudi Menuhin und seine Familie das Saanenland und Gstaad. Die Urkraft der Natur und der Berge faszinieren und inspirieren ihn. Nicht nur die sanfte Alpenlandschaft des Saanenlandes beeindruckten ihn, sondern auch das Zusammentreffen von Westschweiz, deutschsprachiger Kultur sowie der nahe gelegene Süden mit der Italianità.

Weil Gstaad und Umgebung zugleich ein ideales Umfeld für die internationale Erziehung seiner Kinder bietet (unter anderem durch die hier ansässigen Institute «Le Rosey» und «John F. Kennedy International School»), lässt sich Menuhin mit seiner Familie im Saanenland nieder. Auf den Spaziergängen in den Bergen mit seinen Kindern entdeckt der Städter den naturverbundenen Alltag der einheimischen Bevölkerung, welche mit ihrer Folklore und Musik ebenfalls die musikalische Entwicklung Menuhins beeinflusst.

Yehudi Menuhin, Maurice Gendron, Benjamin Britten, Peter Pears…
Seinen Anfang nimmt das Menuhin Festival im Jahr 1956, als der damalige Kurdirektor Paul Valentin Yehudi Menuhin anfragt, ob er bereit wäre, die Sommersaison mit Konzerten zu bereichern. Spontan nimmt Menuhin die Idee auf, und bereits ein Jahr später schlägt die Geburtsstunde des Menuhin Festivals in der Mauritius-Kirche Saanen. Am 4. und 6. August 1957 treffen unter dem Titel «deux concerts exclusifs» vier Musiker aufeinander, welche bis heute als legendäre Musiker und Persönlichkeiten gelten: Maurice Gendron, Cello, Benjamin Britten, Klavier und Cembalo, Peter Pears, Tenor, und natürlich Yehudi Menuhin. Fortan tragen die Sommerkonzerte im Saanenland den Titel «Yehudi-Menuhin-Musiksommer». Aus zwei werden neun Veranstaltungen, vorwiegend Kammermusikkonzerte und Konzerte mit Kammerorchestern (ab 1958 nimmt das bekannte Zürcher Kammerorchester unter Edmond de Stoutz teil). Das Festival ist von Beginn weg stark von Menuhins intensiver Beziehung und Interaktion mit der ländlichen Idylle im Berner Oberland inspiriert. Familie (z.B. Yehudis Schwestern Hephzibah und Yaltah oder sein Sohn Jeremy) und Freunde (darunter Ernst und Lory Wallfisch, Louis Kentner und Peter Lukas Graf) von Yehudi Menuhin sorgen für unvergessliche Kammermusikabende in der stimmungsvollen Kirche von Saanen: Das Musizieren im Freundeskreis wird zum Leitmotiv des Festivals.

Das Festival wächst
Die Struktur des grösser werdenden Festivals wird zunehmend komplexer. 1976 wird insbesondere auch für die Bewältigung administrativer Aufgaben ein neues Organisations-Komitee eingesetzt. 1977 setzt Menuhin mit der Gründung der Internationalen Menuhin-Musik-Akademie (IMMA) und «The Yehudi Menuhin School» bei London, einen Markstein in der Förderung von jungen Elite-Musikern. Der erste Direktor der IMMA ist Alberto Lysy (Ende 2007 übergibt er die musikalische Direktion an Jeremy Menuhin). Das Orchester der Akademie, die Camerata Lysy Gstaad (ab 2009: Camerata Menuhin), wird zu einer tragenden Säule des Festivals. Mittlerweile umfasst der Anlass 18 Konzerte. Menuhin betont in seiner künstlerischen Arbeit noch intensiver die Symbiose von Kunst und Landschaft. Musikalische Höhepunkte sind beispielsweise ein Konzert zum 100. Geburtstag von Ernest Bloch, eine Hommage an Benjamin Britten (zur Aufführung kommt dessen Drittes Streichquartett) oder ein Gedenkkonzert zur vierzigsten Wiederkehr von Bela Bartók nach Gstaad.

Ab 1989 auch Sinfoniekonzerte
Mit der Übernahme der Alpengala AG und vor allem durch deren Festivalzelt durch das Menuhin Festival wird es Ende der achtziger erstmals möglich, grosse Sinfonieorchester ins Saanenland zu holen; das Menuhin Festival wird von einem Kammermusikfest zu einem der grössten Festivals der Schweiz. Yehudi Menuhin erhält damit die Gelegenheit, seine stets zunehmende Dirigententätigkeit auch in seiner Wahlheimat auszuüben. Das erste Festivalzelt wird 1999 durch ein neues, speziell für das Festival nach neusten technischen und akustischen Erkenntnissen konzipiertes, Konzertzelt ersetzt.

1996: Jubiläum und Umbruch
Mit 80 Jahren und nach 40 Jahren der künstlerischen Tätigkeit in Gstaad entschliesst sich Lord Yehudi Menuhin 1996, die Leitung seines Festivals in jüngere Hände zu übergeben. Der für seine tiefgründige Auseinandersetzung mit klassischer und zeitgenössischer Musik bekannte lettische Violinist Gidon Kremer soll dem Alpen-Festival neue künstlerische Impulse geben und es ins einundzwanzigste Jahrhundert führen. Bald zeigt sich, dass Publikum und Partner des Festivals die personelle und künstlerische Neuausrichtung nicht in gewünschtem Masse mittragen – die vier Jahrzehnte der Prägung durch Yehudi Menuhin lassen sich nicht mit den künstlerischen Zielen von Gidon Kremer vereinen.

Bewegte Ära nach Menuhin
Nach dem Rücktritt von Gidon Kremer im Jahr 1998 übernehmen Peter Keller und anschliessend die ehemalige Mitarbeiterin von Yehudi Menuhin, die Musikwissenschaftlerin Eleanor Hope, den künstlerischen Vorsitz des Festivals. Sie trägt das Erbe Menuhins, der 1999 verstirbt, in einem vielseitigen Programm weiter, das in permanenter Wechselwirkung zur bergigen Natur der Ferienregion Saanenland steht. Der Schwerpunkt der Konzerte in Gstaad und Umgebung liegt, wie in den Jahren Menuhins, auf der klassischen Kammermusik und sinfonischen Werken, ergänzt durch zeitgenössische Werke. Eleanor Hope schafft es, die Festivalfamilie von Yehudi Menuhin (Stammpublikum, Solisten, Ensembles, Dirigenten und Orchester) wieder nach Gstaad zu bringen und damit das Festival zu stabilisieren. 2002 trifft der Verwaltungsrat des Festivals einen mutigen und wegweisenden Entscheid: Nicht ein herausragender, weltbekannter Solist soll künftig die Geschicke des Festivals leiten, sondern ein Kulturmanager, welcher in der Lage ist, das Festival künstlerisch weiterzuentwickeln, ohne die ökonomischen und regionalen Ressourcen und Voraussetzungen zu vernachlässigen. Im jungen Basler Musiker und Kulturmanager Christoph Müller finden die Festivalverantwortlichen die geeignete Persönlichkeit. Seine Erfolge als Manager des Kammerorchester Basel, seine Offenheit und Neugier sowie die Tatsache, dass er als Newcomer die Weiterentwicklung des Festivals ohne Vorbelastung in Angriff sprechen für ihn.

Das Gstaad Menuhin Festival & Academy heute: Verbindung von Tradition und Innovation
Im Geiste des Gründervaters Lord Menuhin positioniert Christoph Müller das Menuhin Festival Gstaad bei seinem Amtsantritt im 2002 neu und entwickelt es in der Folge erfolgreich weiter, indem eine offene und kreative Programmpolitik nun zukunftsweisende Projekte und den Aufbau nachhaltiger künstlerischer Gefässe ermöglicht.

Das Kammermusikfest Gstaad konzentriert sich auf hochkarätige Persönlichkeiten (Joshua Bell, Sabine Meyer, Alfred Brendel, Andras Schiff, Hélène Grimaud), die ihre musikalischen Freunde und Partner nach Gstaad einladen und «gemeinsam in entspannter Atmosphäre musizieren» (Zitat Yehudi Menuhin).

Die Sinfonieorchester-Konzerte im Festival-Konzertzelt bringen sinfonische Glanzlichter zurück nach Gstaad, unter anderem durch enge Partnerschaften zu Orchestern wie dem London Symphony Orchestra. Die Reihe «Today’s Music» ermöglicht Begegnungen verschiedenster Stile und Kulturen, welche nach Vorbild von Yehudi Menuhins überraschende und unvorhergesehene Musikerlebnisse ergeben. Mit Künstlern wie Bobby McFerrin, Nigel Kennedy oder der Schweizer Jazz-Legende George Gruntz konnte sich dieser Zyklus seit der Edition 2002 profilieren. Darüber hinaus wurde die Tradition eines Kinderprojektes etabliert, welches jährlich die Aufführung eines in den Schulen des Saanenlandes pädagogisch erarbeiteten Werkes unter Mitwirkung von 30 bis 50 Kindern aus der Region vorsieht. Werke wie «Pollicino» von Hans-Werner Henze, «Brundibar» von Hans Krasa oder «Carnaval des Animaux» von Camille Saint-Saëns bleiben unvergessen.
Auch für musikalischen Laien wurde eine Plattform geschaffen, die sich als «Play @ Menuhin Festival Gstaad»-Reihe etabliert hat: Die Festival-Ausgabe 2008 präsentierte erstmals eine Orchesterwoche für Amateur-Musiker, welche während 7 Tagen gemeinsam mit Stimmführern etablierter Sinfonieorchester ein Orchesterprogramm einstudierten und in einem Konzert präsentierten. Seit 2009 wird dieses Amateurorchester durch ein entsprechende Jugendorchester-Woche mit 60-70 Mitwirkenden ergänzt. Die insgesamt jährlich ca. 130 Jugendlichen und Laienmusikerinnen profitieren in diesem Projekt von der Kombination von aktivem Musizieren, Konzertbesuchen und kurz: Sie nehmen am Festivalleben teil.
Seit dem Jahr 2009 existiert die Gstaad Academy. Auf die Initiative von Christoph Müller hin, gemeinsam mit der Sängerin Cecilia Bartoli wurde die Vocal Academy geschaffen. Hinzu kamen nach und nach, die String Academy, die Baroque Academy, die Piano Academy, die Conducting Academy und die Play@ Jugend- und Amateurorchesterwochen. Die Gstaad Academy ist eine Plattform für junge talentierte Musiker an Meisterkursen verschiedenster Art teilzunehmen. Die Gstaad Academy knüpft an Festivalgründer Yehudi Menuhins Tradition an, mit Freunden und jungen Studenten in Gstaad gemeinsam zu spielen.

Gstaad Menuhin Festival & Academy im Zeitraffer
1957 Start des Menuhin Festival Gstaad (4. bis 6. August, Kirche Saanen).
Zürcher Kammerorchester unter Edmond de Stoutz als Festival-Orchester.
1966 10 Jahr-Jubiläum mit «Hommage an Yehudi Menuhin».
1976 20 Jahr-Jubiläum: Teilnahme aller Schüler der Menuhin School London und Uraufführung der Menuhin gewidmeten «Polyptique» von Frank Martin.
1989 Zusammenschluss von Menuhin-Festival und Alpengala in Musiksommer Gstaad Saanenland AG.
1996 Übergabe der Festivalleitung von Lord Yehudi Menuhin an Gidon Kremer.
1998/99 Künstlerische Leitung des Festivals bei Peter Keller.
1999 Tod von Lord Yehudi Menuhin (12. März 1999).
2000/01 Künstlerische Leitung des Menuhin Festivals Gstaad bei Eleanor Hope.
2002 Künstlerische Leitung: Christoph Müller.
2006 50 Jahr-Jubiläum.
2008 erstmalige Durchführung Play@ Gstaad Menuhin Festival – Amateurorchesterwoche.
2009 Gründung Gstaad Academy mit Cecilia Bartoli (Vocal Academy), erstmalige Durchführung Jugendorchesterwoche.
2010 Gründung Gstaad Festival Orchestra.
2012 erstmalige Durchführung Piano Academy.
2013 erstmalige Durchführung String Academy und Baroque Academy.
2014 erstmalige Durchführung Conducting Academy.

Literatur und DVD
Buch «Gstaad und die Menuhins» (ISBN 3-7165-1446-2), erschienen im Benteli Verlag
DVD «Yehudi Menuhin – Lord of the Strings» zum 50-Jahr-Jubiläum des Menuhin Festival Gstaad
Erhältlich im Festivalbüro (Tel. +41 (0)33 748 83 38) sowie im Fachhandel.



 Christoph Müller - ein beflügelnder Geist für Gstaad
Auf drei Säulen ruht das künstlerische Konzept von Christoph Müller für das Menuhin Festival Gstaad. Der dynamische künstlerische Leiter setzt auf Kammermusik, sinfonische Werke und konzertante Opern sowie auf experimentelle Projekte im Zyklus TODAY'S MUSIC. Ganz im Sinne von Lord Menuhin verstärkt das Menuhin Festival sein Engagement für die Talentförderung. Bereits zum fünften Male findet dieses Jahr der Orchester-Workshop «Play @ Menuhin Festival Gstaad» auch für Jugendliche Laienmusiker und -musikerinnen statt. Spannende Begegnungen mit Profis und gemeinsames Musizieren stehen auf dem Programm. Die Gstaad Academy wächst: Im Sommer 2013 kommen talentierte Sänger und Sängerinnen bereits zum fünften Male in den Genuss der Masterclass «Gstaad Vocal Academy» mit Cecilia Bartoli und ihrer Mutter Professor Silvana Bazzoni Bartoli, Pianisten arbeiten zum zweiten Mal mit Andras Schiff. Das erste Mal führt das Festival eine Barock-Academy mit dem Blockflötisten Maurice Steger und eine String-Academy mit Liviu Prunaru, Ettore Causa und Ivan Monighetti durch.

Das Festival hat 2010 sein eigenes Orchester lanciert, das Gstaad Festival Orchestra, unter der Leitung von Maxim Vengerov. Das GFO ist nicht nur ein grossartiges Sprungbrett für zahlreiche junge Instrumentalisten, sondern dank seiner Europatourneen auch ein bedeutender Botschafter für die Veranstaltung. 2013 arbeitet es mit dem Dirigenten Kristjan Järvi und dem türkischen Pianisten Fazil Say zusammen, der eine Auftragskomposition zum Festivalthema „Wasser“ geschrieben hat.

Mit dem jungen Basler Musiker und Kulturmanager hat das zweit grösste Festival der Schweiz im Jahre 2002 wohl einen der jüngsten Leiter der Branche verpflichtet. «Es ist eine grosse Ehre, die künstlerische Leitung dieses Festivals inne zu haben», hält der Basler Christoph Müller fest. Nicht von ungefähr hat sich der Verwaltungsrat des Menuhin Festivals Gstaad für den jungen Cellisten mit Wirtschaftsmatur entschieden. Seit 1996 bis in den Sommer 2010 war er Geschäftsführer des Kammerorchesters Basel und erreichte in dieser Funktion Erstaunliches. «Wir konnten dank einer geschickten Kombination von Neuem und Bewährtem die Attraktivität des Festivals erheblich steigern und es gelang uns dadurch, Dirigenten und Solisten von Weltformat an das Festival zu binden», hält Müller fest. Im Sommer 2010 hat er die alleinige Geschäftsführung abgegeben und konzentriert er sich als «Konzertmanager» des kammerorchesterbasel auf die Planung und Konzeption von Konzertprojekten sowie auf deren Vermittlung und Verkauf für weltweite Tourneen. Dadurch erhofft sich der Kulturmanager unter auch mehr Luft für die Entwicklung neuer Projekte für das Menuhin Festival Gstaad. Ein weiterer Höhepunkt war die Initiierung eines hochkarätigen Konzertzyklus, des «lucerne chamber circles», im Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL), welchen er im Team der eigens gegründeten Agentur «swiss classics» aufbaute. Dank eines konsequenten Konzeptes gelang es ihm, auch während der Zeit ausserhalb der Festivals hoch stehende klassische Konzerte anzubieten und damit ein grosses Publikum anzuziehen.

Renaissance für Menuhins Geist
«Es ist eine stete Herausforderung, die künstlerischen Botschaften von Yehudi Menuhin aufzunehmen und weiterzuentwickeln. Seine fortwährende Lust auf Neues macht mich neugierig. Zurück zu den Wurzeln heisst vorwärts zum Ursprünglichen, Unkomplizierten, Kreativen. Wir arbeiten konsequent daran, diesen Ansatz in eine zeitgemässe Form zu verwandeln». Müller ist überzeugt, dass seine Ideen im Sinne Menuhins, dem Geigen-virtuosen des 20. Jahrhunderts, sind. Mit seinen 42 Jahren gehört Christoph Müller zu den jüngsten in der klassischen Festivalszene. Er verleiht dem zweitältesten Klassik-Festival seit elf Jahren ein Profil.
Auf drei Säulen basiert das Konzept: Eine Kammermusik-Woche mit einem prominenten «Artist in Residence», grossen Sinfoniekonzerten, konzertanten Opernaufführungen oder Operetten im Festivalzelt und die Reihe TODAYS MUSIC mit Improvisations-Tagen und Projekten, bei denen sich Musiker aller Stile, Gattungen und Kulturen treffen.

Christoph Müller, Intendant (seit 2002)
- geboren 1970 in Basel, aufgewachsen in Möhlin (AG)
Ausbildung:
- 1990 Wirtschaftsmatur in Muttenz (BL)
- 1991 Cello-Berufsstudium an den Konservatorien Bern (Lehrer: Patrick Demenga) und Biel (Lehrer:
Conradin Brotbek)
- 1995 Lehrdiplom mit Prädikat «sehr gut»
- 1996 Eintritt in Konzertausbildungsklasse am Konservatorium Winterthur (Thomas Grossenbacher)
- 1997 Orchesterdiplom (bei Conradin Brotbek)
- 1999 Konzertreifediplom mit Prädikat «sehr gut»
Berufliche Tätigkeit:
Als Cellist
- Cellist in verschiedenen Kammermusikformationen
- Pädagoge an verschiedenen Musikschulen
- Solo-Cellist im Schweizer Kammerorchester
- Cellist in der Philharmonischen Werkstatt Schweiz (Orchestre Philharmonique Suisse)
- Seit 1998 Cellist im Kammerorchester Basel
Als Kulturmanager
- 1996 bis 2010 Geschäftsführer des Kammerorchesters Basel, seit 2007 als Orchesterdirektor
- 1999 Gründung der Agentur «swiss classics» im Zusammenhang mit der Konzeption und
Durchführung des «lucerne chamber circle» im Kultur- und Kongresszentrum Luzern
- 2000 Mitarbeit in Kulturabteilung des Managements des KKL Luzern
- seit 2002 künstlerischer Leiter des Menuhin Festival Gstaad, seit 2007 dessen Intendant
- Von 2005 bis 2013 auch künstlerischer Leiter der Interlakner Musikfestwochen (neu: Interlaken
Classics), welche in Absprache und Koordination mit dem Menuhin Festival seit 2007 jeweils vor
Ostern stattfinden und für welche Christoph Müller das Konzept der „Plattform für Jungstars“ entworfen
und erfolgreich umgesetzt hat.
- 2006: Gründung des Solsberg-Festival zusammen mit der Cellistin Sol Gabetta. Das
Kammermusikfestival in der barocken Klosterkirche Olsberg hat sich in nur 5 Editionen zu einem
wichtigen kulturellen Anlass in der Region Basel mit annähernd 3000 Besuchern entwickelt.
- 2008: Gründung der «Artistic Management GmbH»; Bündelung der verschiedenen Tätigkeiten in
eigener Agentur
- Ab 2010: «Konzertmanager» des Kammerorchester Basel (Verantwortlich für künstlerische
Planung/Konzeption und Vermittlung/Verkauf dieser Konzertprojekte weltweit) auf Mandatsbasis im
Rahmen seiner «Artistic Management GmbH»

- 2013: Gründung der Joseph Haydn Stiftung und Einsitz im Stiftungsrat. Mit der Stiftung sollen während den kommenden 19 Saisons mit dem Dirigenten Giovanni Antonini im Hinblick auf das Haydn-Jahr 2032 sämtliche 107 Sinfonien von Joseph Haydn aufgeführt und auf Tonträger eingespielt werden.

Seit Mai 2013 CEO und Intendant des Gstaad Menuhin Festivals.

 Lord Menuhin und das Gstaad Menuhin Festival & Academy
Gelebte Affinität zum Saanenland
Als weltbekannter «Wundergeiger», Dirigent und Humanist bleibt Lord Yehudi Menuhin in Erinnerung. Seine ausgeprägte Menschlichkeit, seine vielseitigen künstlerischen Begabungen und seine immerwährende Neugier prägten sein Schaffen. 1957 gründete der spätere Ehrenbürger von Saanen das mittlerweile legendäre Festival im Saanenland. Hier, in der inspirierenden und Kraft spendenden Ruhe der lieblichen Bergwelt des Berner Oberlandes, fand er das ideale Umfeld für das Musizieren unter Freunden und die Förderung junger Talente. Auch zehn Jahre nach Menuhins Tod sind seine Überzeugungen und Ziele die Leitlinien des Gstaad Menuhin Festival.

Russischer Kosmopolit
1916 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren, wächst Yehudi Menuhin in San Francisco auf. Von seinen strengen Eltern zum Üben und Lernen erzogen, gilt er schon damals als musikalisches Wunderkind. Zeitlebens ist Yehudi Menuhin Nomade und Kosmopolit und erkundet als Humanist, Philosoph und Musiker die ganze Welt.

Neugier für das Andere
Sein Interesse für andere Kulturen und Musikrichtungen bewegen ihn beispielsweise, mit dem indischen Sitar-Künstler Ravi Shankar (1971 und 1975) oder dem Jazz-Virtuosen Grappelli in Gstaad am Festival Begegnungen verschiedener Stile zu initiieren und das verbindende Moment in der Musik herauszuarbeiten. Menuhin ist stets auf der Suche nach «heilender Kraft in der Harmonie der Musik». Meditation und Yoga-Übungen sind für ihn wichtige Selbstbehandlungen, dazu braucht er seine Musik.

Liebe zu Gstaad
Mitte der 1950er Jahre entdecken Yehudi Menuhin und seine Familie das Saanenland und Gstaad. Die Urkraft der Natur und der Berge faszinieren und inspirieren ihn. Nicht nur die sanfte Alpenlandschaft des Saanenlandes beeindruckten ihn, sondern auch das Zusammentreffen von Westschweiz, deutschsprachiger Kultur sowie der nahe gelegene Süden mit der Italianità. Weil Gstaad und Umgebung zugleich ein ideales Umfeld für die internationale Erziehung seiner Kinder bietet (unter anderem durch die hier ansässigen Institute «Le Rosey» und «John F. Kennedy International School»), lässt sich Menuhin mit seiner Familie im Saanenland nieder. Auf den Spaziergängen in den Bergen mit seinen Kindern entdeckt der Städter den naturverbundenen Alltag der einheimischen Bevölkerung, welche mit ihrer Folklore und Musik ebenfalls die musikalische Entwicklung Menuhins beeinflusst.

Entdecker und Förderer zahlreicher Talente
Angesteckt vom Virus didaktischer Arbeit mit der Jugend und beseelt vom Gedanken, seine Lebenserfahrungen weiterzugeben, erfüllt sich Menuhins Wirken neben intensiver Konzerttätigkeit immer mehr mit Schreiben, Ausbilden und Gestalten seiner Festivals, seit 1957 in Gstaad und von 1959 bis 1968 auch als künstlerischer Leiter im englischen Bath. 1963 gründet er in London, dann in grösseren Räumlichkeiten in Stoke d’Abernon seine Yehudi Menuhin Schule, die heute eine vom Staat unterstützte Eliteschule für jugendliche Streicher und Musiker ist. Die Internationale Menuhin Music Academy zieht 1977 mit der Camerata Lysy aus Holland nach Gstaad und wird unter seinem Schüler Alberto Lysy zum Juwel der Kulturszene der drei Talschaften Pays-d’Enhaut-Saanenland- Obersimmental und des Gstaader Musiklebens.

Unermüdliches Engagement bis zum Schluss
In den 80er und 90er Jahren verlagert sich Menuhins Wirken immer mehr nach London: Yehudi Yehudi erhält 1987 von der britischen Königin den «Order of merit», und wird 1993 zum Baron mit dem Titel «The Right Honorable Lord Menuhin of Stoke d’Abernon» ernannt. Unermüdlich bleibt der grosse Humanist und Musiker aktiv, dirigiert auf der ganzen Welt und gründet 1994 in Brüssel «MUS-E». Als musikalischer Leiter wirkt er bis 1996 in Gstaad und wird als einer der bekanntesten Weltbürger und angesehener Humanist mit vielen Ehrungen überhäuft. Ganz überraschend stirbt er am 12. März 1999 in Berlin auf einer Konzerttournee mit seiner Sinfonia Varsovia. Ein gutes, rastloses Herz hat wenige Wochen vor dem 83. Geburtstag aufgehört zu schlagen.

Yehudi Menuhin: Stationen eines ganzheitlichen Lebens
1916 Am 22. April als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren.
1921 Violinunterricht in San Francisco (Antrieb: «Wann kann ich Vibrato spielen?»).
1924 Am 29. Februar der erste Auftritt als Schüler von Louis Persinger, erster Konzertmeister vom Sinfonie Orchester in San Francisco.
1927 Begegnung mit Georges Enescu. Erstes Konzert in Paris mit dem «Orchestre Lamoureux».
1929 Am 12. April spielt Yehudi Menuhin sein legendäres Berliner Konzert unter Bruno Walter. Mit den drei Solo-Konzerten von Bach, Beethoven und Brahms begründet er den weltweiten Ruhm als Wunderkind.
1935 Welt-Tournee mit 110 Konzerten führt zur künstlerischen Krise.
1938-1945 Im zweiten Weltkrieg spielt er über 500 Konzerte für die Alliierten Truppen. Yehudi Menuhin wird zum Friedenssymbol.
1957 Erstes Musizieren im Saanenland, das «Menuhin Festival» entsteht. Als künstlerischer Leiter engagiert er sich gleichzeitig am Bath-Festival.
1959 Wachsende Begeisterung für die Arbeit als Dirigent.
1963 Gründung einer Musikschule für Kinder im britischen Stoke d’Abernon.
1969 Wahl zum Präsidenten des Internationalen Musikrats der UNESCO.
1970 Ernennung zum Ehrenbürger der Gemeinde Saanen.
1977 Gründung der Internationalen Menuhin-Musik-Akademie IMMA – Camerata Lysy wechselt von Holland nach Gstaad.
1979 Yehudi Menuhin erhält den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.
1993 Die britische Königin ernennt ihn zum «Baronet of Stoke d’Abernon»: Sir Yehudi Menuhin wird zu Lord Menuhin.
1999 Am 12. März stirbt der Künstler und Humanist in Berlin an Herzversagen.

Gedankengänge auf Philosophenweg
Ein Philosophenweg mit 12 Schautafeln von Gstaad nach Saanen erinnert an Yehudi Menuhin, den Ehrenbürger der Gemeinde Saanen (er erhielt diese Auszeichnung im Jahre 1970). Seine Betrachtungen zum Verhältnis von Mensch, Natur und Kultur erhalten entlang der Lebensader des Saanenlandes, des gleichnamigen Flusses Saane, eine höhere Bedeutung.

Menuhin Center Saanen
Der Verein Menuhin Center Saanen hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische und geistige Schaffen von Yehudi Menuhin im Saanenland in Erinnerung zu halten. Im historischen Chalet Salzhüsi im Zentrum von Saanen wird das Leben, das kulturelle Umfeld, sowie das musikalische und erzieherische Wirken von Lord Menuhin lebendig präsentiert. Als öffentlich zugängliche Forschungs- und Gedenkstätte mit Bild- und Textarchiven, kleiner Bibliothek und Mediathek wird das Archivmaterial gesammelt und vorgestellt. Und da Yehudi Menuhin sein Festival über 40 Jahre geprägt und vorangetrieben hat, wird gleichzeitig auch die facettenreiche Geschichte des Menuhin Festival Gstaad erzählt.
Kontakt/Informationen: Dr. Rolf P. Steiger, Präsident, steiger.rolf@gstaad.ch, Tel. +41 (0)33 744 19 40.

Zitate von Yehudi Menuhin
«Ich fühle mich in Gstaad zu Hause. Ich habe dort ein kleines Musikfestival in der wunderbaren kleinen Kirche in Saanen geschaffen…»
«Eine Lebensweise die das Reich des Unbekannten und Geheimnisvollen aus-schliesst, steht nicht im Einklang mit dem Leben selbst.»
«Jeder Augenblick im Leben ist ein neuer Aufbruch, ein Ende und ein Anfang, ein Zusammenlaufen der Fäden und ein Auseinandergehen.»

Literatur und DVD
Buch «Gstaad und die Menuhins» ISBN 3-7165-1446-2), erschienen im Benteli Verlag
DVD «Yehudi Menuhin – Lord of the Strings» zum 50-Jahr-Jubiläum des Menuhin Festival Gstaad
Erhältlich im Festivalbüro (Tel. +41 (0) 33 748 83 38) sowie im Fachhandel.
Sonderdruck Anzeiger von Saanen, 120. Jahrgang, 2. Blatt, Dienstag, 7. März 2000 Nr. 19
(Autor: Dr. Rolf P. Steiger)

 Gstaad Festival Orchestra (GFO)
Das Orchester
Alljährlich begeistert das Gstaad Menuhin Festival mit einzigartigen Konzerten und hochkarätigen musikalischen Begegnungen inmitten prächtiger Natur. Das Gstaad Festival Orchestra (GFO) entstand aus der Vision, den inspirierenden und innovativen Geist des Menuhin Festivals in die Welt hinauszutragen und das alljährlich zelebrierte Musikfest auch international erklingen zu lassen.
Seit seiner Gründung im Jahr 2010 schwingt sich das GFO zu immer neuen musikalischen Höhenflügen. Seine ersten umjubelten Gastspielreisen führten das Orchester u.a. zum Rheingau-Musikfestival, zu den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, zum Schleswig-Holstein Musik Festival, zum Festival La Chaise Dieu, zu den Festspielen Herrenchiemsee, zum Meran Festival, zum Stresa Musikfestival, ins Konzerthaus Wien, in die Kölner Philharmonie, ins Festspielhaus Baden-Baden, ins Festspielhaus Bregenz, in die Dresdner Frauenkirche, in die Philharmonie am Gasteig in München und in die Stuttgarter Liederhalle.

Das Gstaad Festival Orchestra etablierte sich dabei als brillanter und charismatischer Klangkörper der Extraklasse und schreibt Saison um Saison neue Erfolgsgeschichten. In den Jahren 2010 - 2016 spielte das GFO jährlich alternierend unter der Leitung von Kristjan Järvi und Neeme Järvi. Zu den solistischen Partnern des Orchesters zählten u.a. Renée Fleming, Martin Grubinger, Renaud Capuçon, Patricia Kopatchinskaja, Truls Mørk, Sol Gabetta, Khatia Buniatishvili, Fazil Say und Vilde Frang.

Bei einer umjubelten Konzert-Tournee im Sommer und Herbst 2015 entstand die erste Live-Aufnahme des GFO, die im Januar 2016 bei Sony erschien. Darauf ist die von Kristjan Järvi erstellte Neufassung der Schwanensee-Suite von Tschajkowski zu hören.

Regelmässig gelangen durch das GFO neue Kompositionen zur Uraufführung, u.a. von Komponisten wie Fazil Say, Daniel Schnyder, Dieter Ammann, Isabel Mundry und Georg Breinschmid. Darunter ist auch eine neue Komposition von Mark-Anthony Turnage: „Dialogue“ (2015), mit den Solistinnen Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Sol Gabetta (Violoncello).

Durch die Verpflichtung des Stardirigenten Jaap van Zweden als Principal Conductor ab der Saison 2017/18 wird das erfolgreiche Projekt des Gstaad Menuhin Festivals auf eine weitere Entwicklungsstufe gehoben. Jaap van Zweden – seinerseits designierter Musik-Direktor des New York Philharmonic Orchestra – übernimmt jährlich die Leitung mehrerer Programme mit dem Gstaad Festival Orchestra. Neben Konzerten in Gstaad wird das GFO unter der Leitung von van Zweden im Sommer 2017 u.a. in der Elbphilharmonie in Hamburg gastieren.

Das Gstaad Festival Orchestra rekrutiert sich aus den besten Musikern aller führenden Schweizer Orchester und bildet somit eine hochkarätige musikalische «Nationalmannschaft». Seine Mitglieder kommen aus dem Tonhalle Orchester Zürich, dem Philharmonia Zürich (Orchester der Oper), dem Kammerorchester Basel, dem Basler Sinfonieorchester und dem Berner Sinfonieorchester. Ferner werden alljährlich einige der besten Studenten Schweizer und ausländischer Musikhochschulen für die Teilnahme am GFO ausgewählt. Ziel ist es dabei, die hochwertigen Klangkulturen und den gerühmten Musiziergeist der führenden Schweizer Orchester zusammen zu bringen, den Musikern einen Austausch zu ermöglichen und dabei jedes Jahr aufs Neue einen dynamischen und solitären Klangkörper zu erschaffen.

Im Sommer 2017 wird das GFO bereits zum vierten Mal seit 2014 als «Orchestra in Residence» bei der Gstaad Conducting Academy, dem Herzstück der Gstaad Academy, mitwirken: 12-15 junge Dirigenten aus der ganzen Welt erhalten dabei drei Wochen lang die Möglichkeit mit dem GFO zu arbeiten und Konzerte zu dirigieren. Diese europaweit einzigartige Dirigierakademie findet unter der Leitung von Jaap van Zweden (Artistic Director), Johannes Schlaefli (Head of Teaching) und Long Yu (Gast-Professor) statt

 61. Gstaad Menuhin Festival & Academy
13. Juli – 2. September 2017
«POMP IN MUSIC»

2017 wird das Gstaad Menuhin Festival & Academy zum inzwischen 61. Mal stattfinden und seinem Publikum mehr als siebzig Konzerte unter dem Motto «Pomp in Music» zu Gehör bringen – mit anderen Worten festliche, feierliche Musik mit grossem (inneren wie äusseren) Klangreichtum. Einem Publikum, das von Jahr zu Jahr zahlreicher dem Ruf des wunderschönen Saanenlands folgt, das hingerissen ist, von der grossen Vielfalt des vom Intendanten Christoph Müller zusammengestellten Programms, aber auch vom Charme der Veranstaltungsorte – vor allem wunderschöne Kirchen, die bestens dafür geeignet sind, in aller Ruhe der Musik zu lauschen – und einer atemberaubenden natürlichen Umgebung, eingebettet in das saftige Grün der Weiden, das tiefe Blau der Bergseen und das majestätische Grau der Alpengipfel. Zu den Höhepunkten dieses Sommers am Fusse der Berggipfel gehören die Übernahme der Leitung des Gstaad Festival Orchestra und der Gstaad Conducting Academy durch den Stardirigenten Jaap van Zweden und die konzertante Aufführung der Oper «Aida» mit dem London Symphony Orchestra und Roberto Alagna als Solisten, die zwei Konzertabende des Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom unter der Leitung von Sir Antonio Pappano sowie die Auftritte von Anne-Sophie Mutter und Cecilia Bartoli (die ihr neues Programm mit der Cellistin Sol Gabetta uraufführen wird).
Gstaad Menuhin Festival & Academy 2017, das bedeutet …

Grosse Stars, die zum Teil zum ersten Mal in Gstaad auftreten, so die Violinistin Anne-Sophie Mutter (an der Seite von Lambert Orkis), die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli (mit der Welturaufführung ihres neuen Albums mit Sol Gabetta), die Sopranistin Diana Damrau (mit Liedern von Strauss unter dem Dirigenten Sir Antonio Pappano), die Trompeterin Tine Thing Helseth, der Organist Cameron Carpenter, die Pianisten Gabriela Montero, Piotz Anderszewski, Leif Ove Andsnes, Boris Berezovsky, Fazil Say und Christian Zacharias.

Cartes Blanches für drei Ausnahmekünstler: die Violinistin Vilde Frang (die zusammen mit Alexander Madzar, Nicholas Angelich, Sol Gabetta und der Camerata Salzburg auftritt), das Duo Isabelle Faust – Alexander Melnikov (das in drei Konzerten die 10 Sonaten für Violine von Beethoven zu Gehör bringt).

Konzertabende auf höchstem Niveau in den wunderschönen Kirchen der Region: Sir András Schiff (in diesem Jahr wieder an der Spitze der Gstaad Piano Academy), der Pianist Dejan Lazić (solo und im Trio mit Nicolas Altstaedt und Andreas Ottensamer), das Zusammentreffen der beiden Stars Sol Gabetta und Nicholas Angelich, das Belcea- und das Hagen-Quartett, die zusammen mit Till Fellner bzw. Sol Gabetta auftreten, der aussergewöhnliche Auftritt der «Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin», der «traditionelle» Konzertabend mit dem Pianisten Sebastian Knauer, der erneute Auftritt von Alina Ibragimova und ihrem Chiaroscuro-Quartett, die Hommage von Ivan Monighetti an Rostropovitch und nicht zu vergessen die zahlreichen Preisträger internationaler Wettbewerbe (Seong-Jin Cho – Gewinner des Chopin-Wettbewerbs 2015, Ji-Young Lim – Preisträgerin des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs 2015 usw.). PRESSEKONTAKT: Gstaad Menuhin Festival & Academy AG Tel +41 33 748 83 38 Christine von Siebenthal Belairstrasse 2, PF 65 Direkt +41 33 748 83 34 Head of Marketing & Communication 3780 Gstaad cvs@gstaadmenuhinfestival.ch

Sinfonieabende im Festivalzelt von Gstaad: zwei Konzerte des Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom unter Sir Antonio Pappano (mit Evgeny Kissin und dem Klavierkonzert Nr. 2von Bartók), das fulminante Finale mit dem London Symphony Orchestra und Gianandrea Noseda, mit Khatia Buniatishvili und dem Klavierkonzert Nr. 2 von Prokofjew.
Grosse thematische Zyklen: «Brahms oder der innere Reichtum» (zehn Kammermusikkonzerte in privater Atmosphäre), «Menuhin's Heritage Artists».

Das Gstaad Festival Orchestra – Das «Hausorchester», das 2017 vom Stardirigenten Jaap van Zweden übernommen wird (der kürzlich zum Chefdirigenten der New Yorker Philharmoniker gewählt wurde), der nicht nur beim Festival dirigieren wird, sondern auch eine Tournee durch ganz Europa antritt und sich aktiv in die Gstaad Conducting Academy einbringen wird (die Jaap van Zweden gemeinsam mit den Professoren Johannes Schlaefli und Long Yu leitet): www.gstaadfestivalorchestra.com.

Aber auch …
Chor- und Gesangskonzerte: Der «Messias» von Händel unter der Leitung von Paul McCreesh sowie die konzertante Aufführung der Oper «Aida» von Verdi (unter Leitung von Gianandrea Noseda und mit den Solisten Roberto Alagna und Erwin Schrott).
• Ein Eintauchen in alte Musik: Der erneute Auftritt des Cembalisten Jean Rondeau (für eine den Goldberg-Variationen gewidmete «Late Night»), der Konzertabend «Baroque Tweeter» mit Nuria Rial und Maurice Steger.

• Angebote für Kinder und Familien: Die Kinderoper «Aida» nach Giuseppe Verdi, aufgeführt von Kindern und Jugendlichen aus dem Saanenland unter Leitung von Margrith Gimmel-Dauwalder und Roumen Kroumov.

• Eine Plattform für junge Solisten: Acht «Matinées des Jeunes Etoiles» samstags in der Kapelle von Gstaad, die Solisten der International Menuhin Music Academy (IMMA) mit Maxim Vengerov, die Preisträger der Kiefer Hablitzel Stiftung.

• Eine Bühne für die besten Künstler der Schweiz: so für das Oliver Schnyder Trio und das Swiss Piano Trio.

• Musikalische Momente jenseits ausgetretener Pfade: Der Konzertabend «Gershwin & more» für vier Pianos, die Mittelmeer-Reise mit Musik von L'Arpeggiata und Christina Pluhar, der spektakuläre Auftritt des «Wiener Cello Ensemble 5 + 1» (bestehend aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker) sowie der erneute Auftritt des Janoska Ensembles.

Und nicht zu vergessen …
Ein akademisches Angebot, das immer mehr an Bedeutung gewinnt (Conducting Academy, Piano Workshop, String Academy, Vocal Academy, Baroque Academy / die Play@ Amateur- bzw. Jugendorchesterwoche) mit all den Meisterkursen und öffentlichen Konzerten unter dem Titel «L'Heure Bleue»: www.gstaadacademy.ch.

 Pomp in Music
Pomp kann Ausdruck von Kunst, Schönheit, Reichtum, Verschwendung, Grosszügigkeit oder Macht sein. Während im deutschen Sprachgebrauch der Prunk für etwas Kunstvolles und Schönes, aber eher Statisches steht, welches in der Architektur durch prunkvolle Bauwerke am besten zum Ausdruck kommt, wird der Pomp, abgeleitet vom lateinischen „pompa“ (Aufzug, Umzug), eher als etwas Dynamisches gesehen, das jedoch mit leicht anrüchigen Attributen wie Verschwendung, zur-Schau-stellen, Übermass, Protz, Kitsch oder Geschmacklosigkeit gleich gesetzt werden kann.

Der Gegensatz zwischen Pomp und Prunk als grosszügiger Ausdruck für Schönheit und Kunst oder aber (!) verschwenderischer Lust, materiellen Reichtum anzuhäufen, könnte nicht grösser sein. Nochmals eine andere Bedeutung von irrationalem Ausmass ist die Anbetung einer übermenschlichen Instanz, die sich unserer Wertvorstellung entzieht und durch Grösse und pompöse Macht dargestellt wird. Diese Anbetung wird mal durch spirituelle und religiöse, mal durch philosophische Denkweisen zu verwirklichen versucht. Der Missbrauch jedoch von pompösen Werken der Kunst (Architektur und Musik) als Symbole für Macht und Überlegenheit gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte.

Pomp durch Kunst-Projekte auszudrücken, scheint für Künstler aller Genres seit Jahrhunderten einer der intuitivsten Wege zu sein, sich zu entfalten. Das unerklärliche Grosse in Musik, Bildern oder Bauwerken zu erfassen, wird aber erst dann greifbar und sinnerfüllend, wenn Menschen ermöglicht wird, an diesem in Kunst verkörperten Reichtum teilzuhaben. Die Grosszügigkeit der Künstler und Spender wird genährt durch die Freude, andere Menschen an ihrem Reichtum teilhaben, ihnen etwas zugute kommen zu lassen, etwas zu spenden. Während das Spenden und Teilen von Prunk und Reichtum positiv behaftete Verhaltensweisen sind, ist das unverhältnismässige „Protzen“ mit Prunk-Elementen in unserer westlich aufgeklärten und demokratisierten Gesellschaft eher verpönt und umstritten.

So hat sich der Umgang mit Prunk auch in den letzten Jahrhunderten der Musikgeschichte grundsätzlich gewandelt von einem Repräsentationsmittel hin zum Ausdruck überirdischer, immaterieller Grösse bis hin zum Missbrauch der Darstellung von Macht und Grösse politischer Kräfte durch Musik.

Könige und Herrscher des Barocks und der Frühklassik haben sich oft mit eigenen Hofkomponisten musikalische Werke schaffen lassen, die ihre Überlegenheit und Grösse darstellen sollten oder welche durch religiöse Auftragswerke die Grösse göttlicher Mächte auszudrücken versuchten, wobei die Gleichsetzung königlicher und göttlicher Grösse damals zum Verständnis der Gesellschaft gehörte. Die Orgel als „Königin der Instrumente“ (Liszt bezeichnete sie gar als „Papst der Instrumente“) sollte diese Dimension mit instrumentaler Kraft jederzeit darstellen können. Prachtvolle Werke des Barocks wie Händels Messias oder Bachs Magnificat zeugen von der Kraft der Wertvorstellungen göttlicher (und königlicher) Überlegenheit im Barock. PRESSEKONTAKT: Gstaad Menuhin Festival & Academy AG Tel +41 33 748 83 38 Christine von Siebenthal Belairstrasse 2, PF 65 Direkt +41 33 748 83 34 Head of Marketing & Communication 3780 Gstaad cvs@gstaadmenuhinfestival.ch

In der Epoche der Klassik und kurz vor der französischen Revolution haben sich Fürsten wie jener grosszügige Fürst Nikolaus I, Joseph von Esterhazy, genannt der „Prachtliebende“, in Eisenstadt ein eigenes Orchester und einen Hofkomponisten, Joseph Haydn, geleistet und erstmals auch das allgemeine Volk teilweise an ihrem Reichtum teilhaben lassen, indem er in seinem Schloss öffentliche Konzerte angeboten hat. Mit „Krönungsmessen“ und „Krönungskonzerten“ haben Komponisten wie Mozart und später Beethoven den königlichen Oberhäuptern, damals oft ihre Auftraggeber, Grösse attestiert.

Erst in der Spät-Romantik resp. frühen Moderne konnten Philosophen wie Friedrich Nietzsche Fragen ausserhalb des christlichen Glaubens zum Übermenschlichen und Unfassbarem stellen.
Kammermusikserie "Richesse Intérieure"

Als Kontrast zu diesen eher materiellen und quantitativ mess- und fühlbaren Prunkelementen verschiedener Epochen soll der Kammermusik-Zyklus "Richesse Intérieure" den musikalischen Reichtum namentlich bei Kammermusik-Werken von Brahms und Beethoven zeigen: Harmonische Dichte, Ideenflut, Melodienreichtum, überschwängliche Ausdrucksformen prägen diese Meisterwerke und stehen für ergiebigste Schaffensperioden der Komponisten.
Dichte, Fülle, Reichtum gibt es beim Festival 2017 zu erleben in über 60 Konzerten, an 11 verschiedenen Spielorten und während 7 Wochen vom 13. Juli 2017 an.

Quelle: Yehudin Menuhin Festival

Besuchen Sie mich auch unter http://www.dieterbuck.de, auf facebook und auf Instagramm

Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen