Mittwoch, 22. März 2017

Valsugana Lagorai im Trentino

Italien: Mit Natur, Geschichte und Kultur verwachsen im Valsugana

Seit 30 Jahren läuft im Valsugana das internationale Natur-Kunst-Projekt Arte Sella. Auch Reste der römischen Via Claudia Augusta Altinate und einige Relikte aus dem 1. Weltkrieg gibt es in dem 60 Kilometer langen Tal zu entdecken.

Der ArteNatura Themenweg liegt im Val di Sella, oberhalb von Borgo Valsugana. Wer ihn geht, entdeckt riesige, ausschließlich aus Naturmaterialien geformte Skulpturen, die an Kokons, Bienenkorbe oder Wigwams erinnern. Unterwegs tauchen plötzlich mystische, mit natürlichem Harz überzogene „räudige“ Wölfe und aus Blätter geformte Hirsche auf, welche die Künstlerin Sally Matthews in die Landschaft gestellt hat. Und eine imposante Pflanzenkathedrale aus wachsenden Bäumen des lombardischen Künstlers Giuliano Mauri tut sich auf. Bei allen diesen Land-Art-Skulpturen handelt es sich um „Works in Progress“, die sich mit jedem Tag unter freiem Himmel verändern und mit der Natur verwachsen. 60 solche Kunstwerke – davon sieben in der Villa Strobele – sind zu entdecken.

Diese „Pinakothek in Chlorophyll“ am Südhang des Monte Armentera spricht jeden an – nicht nur Kulturreisende, die sich sich mit zeitgenössischer Kunst und Arte Povera auseinandersetzen. Ein Stück Zeitgeschichte liefern die vielen historischen Dokumente aus dem 1. Weltkrieg im Valsugana. Auf der Hochebene von Vezzena und in der Lagorai-Kette finden sich alte Stellungen, Schützengräben, Bunker, Treppen, Grenzsteine, Befestigungsanlagen und Aussichtstürme. Sie erinnern an die Frontlinie, welche das Valsugana bei der Neuordnung Europas vor 100 Jahren bildete.

Die strategisch besten Beobachtungsposten – auch für Wanderer – sind die Festung Pizzo di Levico, vor der die Felswände fast 1.400 Meter tief ins Tal abfallen und die kürzlich restaurierte Festung Colle delle Benne bei Levico Terme. Im Tal treffen Wanderer und Radfahrer auf Zeugen aus der römischen Geschichte. Türme und Meilensteine zeugen von der Via Claudia Augusta Altinate, die davon einst Richtung Venedig durch das Valsugana führte. Aus dem Mittelalter stammen zwei bedeutende kulturelle Zentren des Valsugana: der einstige Adelssitz Castel Ivano nicht weit von Borgo Valsugana und das Castel Pergine, das in diesem Jahr die Ausstellung „Sense of Belonging“ des zeitgenössischen deutschen Künstlers Roger Rigorth zeigt. www.visitvalsugana.it

Voll in die Pedale zwischen klaren Seen und hohen Bergen
Das Lagorai-Gebirge lockt Mountainbiker bis hinauf zu den warmen Porphyrwänden, die bereits an der Dreitausendergrenze „kratzen“. Unten satteln Radfahrer für den 80 Kilometer langen Valsugana-Radweg auf.

Den Caldonazzosee entlang und dann der Brenta folgend, die immer breiter werdend bis nach Bassano del Grappa dahinplätschert: Der 80 Kilometer lange Valsugana-Radweg ist ein Tipp für Genussbiker, die alle paar Kilometer einen kulturellen oder kulinarischen Zwischenstopp einlegen möchten. Gelegenheiten dafür gibt es genug: etwa das Castello di Pergine, das Vogelscheuchen-Museum in Marter, Castel Ivano bei Ivano Fracena oder das historische Zentrum von Borgo Valsugana. An den Bicigrill-Stationen lassen sich die leeren „Energietanks“ rasch auffüllen. Wer seinen Drahtesel nicht mit dabei hat, kann mit Bike-Sharing an einem Ort ein Rad oder E-Bike ausleihen und an einem anderen zurückgeben, und die Rückfahrt mit den Zügen der Linie Trento-Bassano del Grappa verkürzen.

Ein guter „Radschlag“ ist auch die Via Claudia Augusta, die auf wenig befahrenen Straßen und Wegen dem Verlauf der alten römischen Kaiserstraße folgt. Rennradler haben Strecken vor dem Lenker, die sich auf Spuren des Giro d’Italia oder der „Grandi Salite del Trentino“ bis in luftige Höhen hinaufschrauben. Sie führen von den Seen über die Obstgärten bis in die Bergdörfer und auf die Pässe Brocon, Manghen oder Vezzena. Mountainbiker haben die Qual der Wahl: Von einfachen Touren bis zum Kräfte raubenden, 87 Kilometer langen Giro di Cima d’Asta rund um den höchsten Berg der Lagorai-Kette ist unter den 300, per GPS-erfassten Kilometern im Streckennetz Dolomiti Lagorai Bike alles dabei. Außerdem gibt es im Valsugana viele Hotels, Campingplätze und Garnis die auf Bike-Urlauber spezialisiert sind und sich durch ihre unterschiedlichen Serviceleistungen entweder Bike Family oder Bike Expert nennen dürfen. www.visitvalsugana.it/bike

„Seensucht“ nach Süden an den Seen des Valsugana
Der Caldonazzosee und der Levicosee im Valsugana haben alles, was auch den Gardasee so attraktiv macht – sind aber weniger überlaufen. Sie dürfen als einzige Gewässer im Trentino die Blaue Fahne Europas hissen. Italienische Familien verbringen hier bevorzugt ihren Sommerurlaub.

Caldonazzosee und Levicosee sind die ersten oberitalienischen Seen nach der deutschen Sprachgrenze Südtirols. Sie liegen im östlichen Teil des Trentino zwischen der Hochebene von Vezzena und der Gebirgskette Lagorai. Die beiden Badeseen sind kleiner als Gardasee, Comosee oder Lago Maggiore – dafür aber auch um einiges intimer und beschaulicher – und ganz unterschiedlich. Während der größere Caldonazzosee an den Gardasee erinnert, zeigt sich der Levicosee mit seinen Wäldern rundum wie ein norwegischer Fjord. Im kristallklaren Wasser beider Seen kann man im Sommer von Mai bis September baden und alle Wassersportarten von Surfen bis Segeln ausüben.

Familien mit Kindern schätzen die Ruhe und Beschaulichkeit – fernab vom doppelt bis mehrfach belasteten Alltag. Sie finden an einem der vielen Strände ihr Lieblingsplätzchen und sind ganz unter sich. Nur der Bademeister lässt im Juli und August täglich seine Blicke wandern. Zu den „sehenswerten“ Erlebnissen, welche eine ungewohnte Perspektive auf die Landschaft ringsum eröffnen, zählen Segeln, Surfen, Stehpaddeln sowie Wasserski fahren. Wochenangebote wie E-Boot-Ausflüge auf dem Levicosee, samt Aperitif an Bord, Weinverkostungen, Workshops für Kinder und geführte Trekking- und Biketouren sind auf www.livelovevalsugana.it jeweils aktuell abrufbar.

Die vielen Wanderwege, Bikerouten sowie der Talradweg um die Ufer der beiden Seen, bringen Familien bis in den Spätherbst auf Touren. Große und kleine Abenteurer lassen sich auf geführte Family Rafting- und Trekkingtouren ein, besuchen den Klettergarten Acropark, die Tropfsteinhöhle von Castello Tesino oder die „Open Air-Kunstausstellung“ Arte Sella. Ein Muss ist die Tour bis zum Pizzo di Levico mit einer wunderschönen Sicht auf die Seen von Levico und Caldonazzo von der neuen Aussichtsplattform. Besonders zu empfehlen: die Almen, auf denen man eine Kuh adoptieren oder Bergkäse verkosten kann. Als Familien-Urlaubszuhause empfehlen sich die vielen Campingplätze am See und in den Bergen, die gastfreundlichen Hotels, angenehmen Ferienwohnungen und die typischen Stein-Holz-Ferienhäuser in der Lagorai-Kette. Das Valsugana liegt auch ideal für Tagesausflüge in die Lagunenstadt Venedig oder Verona (jeweils ca. 120 km): Dank der guten Zugverbindungen kann man das Auto einfach im Valsugana stehen lassen. www.visitvalsugana.it

Weitere Informationen:
Tourismusverband Valsugana Lagorai
I-38056 Levico Terme (TN), Viale V. Emanuele, 3
Tel.: +39 0461 727705
Mobil: +39 320 4366375
www.visitvalsugana.


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