Montag, 30. Januar 2017

Osterbräuche in Kärnten

Von Palmkatzerln, Ratschen, Böllerschüssen und Osterjausen

Foto: Speisensegnung: ©KaerntenWerbung_Steinthaler

Von wegen immer nur Eier suchen. In Kärnten wird das Osterfest mit vielen eindrucksvollen Traditionen gepflegt, die einerseits mit althergebrachten Bräuchen und anderseits mit gutem Essen und Familien-Rezepten zu tun haben.

Nach dem Fasten wird mit deftigen Spezialitäten und süßen Verführungen gefeiert, werden alte Geschicklichkeitsspiele und traditionelle Wanderungen durchgeführt. Und das macht die Ostertage nicht nur für Urlauber besonders reizvoll.
Den Winter verabschieden und die Vorboten des Frühlings begrüßen, dies hat in Kärnten eine lange Tradition. Wenn dann noch das Osterfest vor der Tür steht, lebt zudem altes Brauchtum auf. Es wird gebastelt, gekocht gebacken und gemeinsam gefeiert. Bereits in der Karwoche stehen viele Vorbereitungen auf dem Programm. Am Palmsonntag tragen die Kinder ihre Palmkatzerlzweige für die Segnung in die Kirche. Diese „Palmbuschen“, wie sie im Dialekt auch heißen, sind aus Zweigen der Weide zu langstieligen Besen zusammen gebunden und werden mit Süßigkeiten und Salzbrezeln behängt. Davon Naschen ist aber erst nach der Messe erlaubt. Vor allem in Oberkärnten ist dieser Brauch noch heute populär, zu dem auch gehört, dass die geweihten Gebinde in die Erde gesteckt oder im Herrgottswinkel in der Stube aufgestellt werden, um damit Unheil vom Haus abzuwenden.
Grün geht es dann am Gründonnerstag zu, wenn der traditionelle Mittagstisch aus Spinat mit Rösterdäpfeln und Spiegelei besteht. Gläubige Kärntner besuchen abends die Messe zum “Letzten Abendmahl“. Danach verstummen die Kirchenglocken für drei Tage. Den Kindern erklärt man die Stille traditionell so, dass die Glocken nach Rom fliegen. In dieser Zeit ersetzen hölzerne Ratschen das Glockengeläut, was vor allem bei den Karfreitagsprozessionen der Brauch ist. Wie bedeutend diese Ratschen für die Kärntner sind, zeigt die Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Der Karfreitag ist ein strenger Fastentag, wobei es in den Küchen schon herrlich duftet, denn die vorwiegend kulinarischen Vorbereitungen für das Osterwochenende beginnen. Schinken und Würste werden gekocht, Eier gefärbt und natürlich der Reindling gebacken. Der Kärntner Osterreindling gehört wie kaum eine andere Köstlichkeit zum Fest und ist unverzichtbarer Bestandteil der Osterjause. Hergestellt wird er aus Hefeteig, mit Butterschmalz, Haselnüssen, Rosinen und einem Schuss Rum. Kalorienreich und geschmackvoll wird die Osterjause. Dafür sorgen auch Selchwürste, Schinken, Eier, Rinderzunge und Kren, bekannt auch als Meerrettich.
Aber es braucht noch etwas Geduld, denn am Karfreitag wird ja immerhin gefastet. „Die Zutaten zur Osterjause kommen in den Osterkorb, der am Karsamstag bei einer Andacht gesegnet wird. Eine kunstvoll mit sakralen Motiven bestickte Weihkorbdecke und Frühlingsblumen zieren den Korb“, erzählt Dr. Heimo Schinnerl, Leiter der Abteilung Volkskunde im Landesmuseum Kärnten. Die Leinendeckchen auf dem Osterkorb schützen nicht nur die Speisen, sie gelten auch als ein traditionelles Mittel gegen Blitzschlag für Haus und Hof. Noch bevor die Andachten zur Speisensegnung stattfinden, kommen in den frühen Morgenstunden die Burschen zur Feuerweihe in die Kirche. Einst diente das Feuer dazu, später am Tag den Osterschinken darauf zu kochen, heute wird damit die Osterkerze entzündet.

Endlich ist Ostersonntag. Und der beginnt recht früh mit Böllerschüssen in der Morgendämmerung. Oben auf den noch dunklen Berghängen sieht man das Flackern der Osterfeuer. Nach der Messe sitzen die Familie bei der Osterjause zusammen, zu der Würste, Kren, Eier und Reindling aus dem Osterkorb zusammen gegessen werden, was an diesem Tag auch die Hauptmahlzeit bildet, so Dr. Schinnerl. Und das hat schon die Qualität eines Festessens. Für die Kinder ist das Suchen der mit Süßigkeiten gefüllten Osternester der Höhepunkt. Eine alte Tradition ist, dass Taufpaten den Kindern ein Geschenk bringen. „Gotenstrutz“ heißt dieses Präsent, benannt nach dem „Gotl“, der traditionellen Bezeichnung im Dialekt für den Taufpaten.

Für die weiteren Feierlichkeiten am Ostersonntag und Ostermontag gibt es in den Kärntner Regionen recht unterschiedliche Bräuche. So etwa das dem Kegeln ähnliche Kugelstoßen in Oberkärnten und rund um Villach. Oder das Wett-Rollen der Ostereier auf zwei Besenstielen und das Fackeltragen in Gösseling bei Launsdorf, wo Frauen und Männer meterhohe Holzstämme entzünden und durch die finstere Nacht tragen. Kinder lieben das Eierpecken, bei dem die Kontrahenten ihre Ostereier gegeneinander schlagen und der gewinnt, dessen Ei am Ende noch unversehrt ist. Unterhaltsam ist auch das Münzwerfen, bei dem ein Ei so lange mit Münzen beworfen wird, bis eine Münze stecken bleibt. Und da etwas Bewegung bei dem herzhaften Essen nicht verkehrt ist, passt es gut, dass in vielen Orten der Emmaus-Gang organisiert wird, eine Frühlingswanderung nach Vorbild des biblischen Gangs der Jünger nach Emmaus.

Mit dem Ostermontag sind die Osterbräuche noch nicht zu Ende. Wer wirklich gut zu Fuß ist, kann in Mittelkärnten beim Vierbergelauf am Dreinagel-Freitag zwei Wochen nach Karfreitag mitmachen. Um Mitternacht starten die Teilnehmer nach der Messe am Magdalensberg zu der gut 50 Kilometer langen Strecke, die über vier Berge führt und den Lorenziberg zum Ziel hat.

Für Urlauber und Gäste sind die Brauchtums-Erlebnisse zu Ostern alles Begegnungen mit der echten Kärntner Lebensart, mit Spiritualität und Fröhlichkeit und vor allem mit dem Leben in der Natur der Bergwelt. Unvergessliche Erlebnisse, die den Urlaub auf der Südseite der Alpen zu etwas ganz Besonderem werden lassen.

Info:
Kärnten Werbung, Tel.: +43 / 463 3000, www.kaernten.at, info@kaernten.at


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