Freitag, 25. November 2016

Neues Reisemagazin: Anderswo


Anderswo
Europa nachhaltig entdecken
  

Ein neues Reisemagazin stellt sich vor. Mit einer Ausgabe 2017 - es wird in jährlichem Turnus erscheinen. Aber was ist neu, was ist anders als bei anderen Reisemagazinen?

Dies zu erkennen reicht schon ein Blick auf den Untertitel, der da heißt „Europa nachhaltig entdecken“. Man werfe den Focus auf die beiden Begriffe „Europa“ und „nachhaltig entdecken“, dann hat man es.

Aber zuerst ein paar allgemeine Eindrücke: Andere Reisemagazine kommen in super-Hochglanz daher, beschreiben Ziele rund um die Welt, strotzen oft vor Anzeigen super-teurer Luxushotes etc. Hat alles seine Berechtigung und mit Sicherheit auch seine Leser und Liebhaber, sonst gäbe es diese Magazine nicht.
                                                
Der Verlag nennt sich „fairkehr“, womit eigentlich schon alles gesagt ist. Anderswo ist die Nachfolge des Magazins „Verträglich Reisen“. Auch hier weiß der geneigte Leser, wo er dran ist.

Anderswo erscheint schon von der Anmutung her „öko“. Kein Hochglanzpapier und -druck. Der Verlag nennt sich „fairkehr“, womit eigentlich schon alles gesagt ist. Wie die Chefredakteurin schreibt, ist Anderswo „ein Gegenentwurf zu einem Tourismus, der sich immer mehr konzentriert und sich gerne die einfachsten Wege sucht - auch auf Kosten von Qualität und Umwelt“, und dabei „…zeigt Anderswo Menschen, Orte, Reiseunternehmen, die mehr wollen als gut lenkbare Tourismusströme …“

Soweit, so gut, so nötig. Der Autor, selbst ein Vielschreiber und -veröffentlicher im Reisebereich findet das gut und unterstützenswert. Lasst uns zum Inhalt kommen …

Die Themen des Magazins sind nach Himmelrichtungen sortiert, auch eine Idee.

Im Norden
finden wir beispielsweise eine Bahnreise nach Schottland oder einen Bericht über ein Wildnisdorf in Schweden.

Der Osten
führt ins Burgenland, nach Kroatien, nach Rumänien und ins Karwendel. Wobei ich da ein Fragezeichen mache: Ich glaube nicht, dass es die Tiroler oder Bayern goutieren, wenn man das Karwendel in den Osten einsortiert und auf eine Stufe mit dem Burgenland oder osteuropäischen Länder stellt. Auch ein Karwendel-Bergwanderer oder -urlauber würde sicher niemals sagen, er befindet sich im Osten Europas. Das ist wohl eine Frage des Standpunkts: Fairkehr hat seinen Sitz in Bonn, da liegt das Karwendel schon etwas östlich davon. Aber eine solche Einordnung bedarf sicher etwas mehr Sensibilität …

Den Süden
Europas sieht das Magazin in Italien mit Berichten über Sizilien, Rom und Stromboli. Dass in einem Magazin über Reisen in Europa Baden-Württemberg in den Süden eingeordnet wird, hat sicher mit den Kreisen zu tun, die es gibt, wenn man in Bonn einen Stein ins Wasser wirft. Dass aber Baden-Württemberg als „Grüner Süden“ bezeichnet wird, das wärmt dem bekennenden Stuttgarter, der der Autor ist, und dessen hauptsächlicher Veröffentlichungsschwerpunkt neben den Alpen eben dieses sein Bundesland ist, schwer das Herz. Dass es sich bei dem 36-seitigen Sonderthema um ein Sammelsurium weniger Textbeiträge und vielen Anzeigen handelt, kann man angesichts des touristischen Angebots des Ländles durchaus verschmerzen - interessant und hilfreich ist dies allemal. 

Und da der deutsche Südwesten, von Schwarzwald und Bodensee mal abgesehen, keinen Massentourismus hat - und selbst in den dortigen Hotspots ist dergleichen eigentlich nicht zu finden - passt das Land bestens in das Konzept des Magazins. Man möge es mir verzeihen, aber hier etwas Werbung in eigener Sache: Beim Silberburg-Verlag findet man die meisten der rund 120 Wander- und Reiseführer, die Dieter Buck über Baden-Württemberg und die Alpen veröffentlicht hat. 

Als letzte Himmelsrichtung ist noch der Westen
übrig. Hier führt die Redaktion nach Barcelona (nochmal ein Fragezeichen - ich dachte immer, Barcelona liegt im Süden Europas) und nach Irland, das selbst ich dem Westen zuordne.

Dazu kommen eine ganze Anzahl anderer Artikel und Werbung für Hotels und Destinationen, die alle unter das Stichwort „fairer Tourismus“ einzuordnen sind.Beigeheftet ist dieser Ausgabe ein Serviceheft "Blaue Schwalbe", das über hundert zertifizierte Bio- und Ökoihotels in ganz Europa vorstellt. Auch eine Liste mit kleinen Reiseveranstaltern mit Nachhaltigkeits-Engagement und Tipps für die Anreise mit Bus und Bahn findet man.

Fazit: Für Leute, die auch im Urlaub und auf Reisen gerne ökologisch und fair unterwegs sind, bietet das Anderswo sicher eine reiche Informationsquelle und Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist. Und für andere vielleicht die Anregung, das eigene Reiseverhalten mal zu überdenken. Die Artikel sind allerdings meist recht kurz gehalten, man hätte sich aufgrund der Ankündigung im Inhaltsverzeichnis schon etwas mehr und fundierteres vorgestellt. Zudem kommt das Heft recht reklamelastig daher. Aber irgendwie muss so eine Veröffentlichung ja auch finanziert werden, der Autor kennt die Zwickmühle zwischen journalistischem Anspruch und ökonomischen Zwängen schon. Die Werbung ist vom Layout her zwar artikelmäßig aufgemacht, aber ordentlich mit „Anzeige“ gekennzeichnet. Aber vielleicht kann man künftig etwas an der „Artikelschraube“ drehen. Auch die Zuordnung der Artikel in Himmelsrichtungen bedarf sicher einer nochmaligen Überlegung. Aber nichts auf der Welt ist gleich beim ersten Mal korrekt, und nicht ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden kann.

Aber deshalb und überhaupt darf gespannt auf die Ausgabe 2018 sein. In der Zwischenzeit findet man weitere Themen hier.

Anderswo 2017. Europa nachhaltig entdecken. Verlag fairkehr, Bonn, 2016. 7,50 €
Sie erhalten das Magazin Anderswo im Zeitschriftenhandel oder hier.





Hier finden Sie …
Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

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