Sonntag, 5. Juni 2016

Liebliches Taubertal: Wertheim: von der Stadt zur Ruine


Wertheim – Parfüm und Ruine




Das Frühstück im Hotel Schwan in Wertheim war, wie nicht anders zu erwarten, erste Sahne. Vor allem das Rührei war von einer Qualität, die dem Autor, der ja viel in Hotels herumkommt, nicht geläufig war.

Das Lob an die Bedienung, „man könnte sich in das Rührei hinein legen“ wurde von dieser voller Stolz an die Köchin weitergemeldet. Lautstark durch die Gaststube, so dass es auch keinem verborgen blieb. Hätte zwar auch nicht sein müssen, aber die Frühstücksköchin hat sich hoffentlich gefreut.

Danach stand ein Stadtrundgang durch Wertheim und hinauf zur Burgruine hinauf. Stadtführer Sommer begleitete uns. Er machte seinem Namen zwar keine große Ehre, aber zumindest hatten wir es wohl ihm zu verdanken, dass wir dabei trocken blieben.



Er führte uns sogar in ein jüngst am Marktplatz renoviertes Haus, das innen noch Mauern und eine Wandmalerei des alten Gebäudes zeigt, dazu einen Innenhof, in dem man sieht, wie hier mehrere Häuser zusammengebaut wurden. 

Highlight war sicher der Besuch von zwei jungen Damen, die ein „Wertheim-Parfüm“ kreiert hatten. Mut und Respekt vor solcher Initiative, die schon ihre Früchte zeigt.



 

Hier erhalten Sie das Parfüm.





Wertheim: von der Stadt zur Burgruine
In dem von der mächtigen Ruine überragten Wertheim bietet es sich an, einfach ziellos durch die Gassen zu bummeln und den malerischen „altdeutschen“ Eindruck des Städtchens auf sich wirken zu lassen. Wertheim besaß einst 18 Stadttore (13.-15. Jh.), von denen das zinnengekrönte Main- und das Zolltor sowie das Kittsteintor an der Tauber noch gut erhalten sind. 



Der 36 1/2 m hohe Spitze Turm stammt aus dem 13. Jh. Das als Wach- und Wartturm errichtete Gebäude wurde im 15. Jh. mit einem achteckigen Oberbau versehen. In ihm wurden auch „Trunkenbolde“ und „zänkische Weiber“ eingesperrt. Der lang gestreckte Marktplatz ist von prächtigen Fachwerkhäusern ab dem 16. Jh. umgeben. Nr. 6, fälschlicherweise „Zobel´sches Haus“ genannt, ist eines der ältesten und wohl schmalsten Häuser Frankens. 




Die gotische Stiftskirche wurde 1383/1384 aus einer romanischen Vorgängerkirche ausgebaut. Vor dem Hauptportal steht ein spätgotischer Baldachin. Etwas Besonderes ist die Turmuhr (1544): Das zur Burg weisende Ziffernblatt weist nur den Stundenzeiger auf, das zum Marktplatz besitzt einen zweiten Zeiger (1670). Innen sieht man die Grabmäler der Wertheimer Grafen (15.-18. Jh.). Gegenüber steht die spätgotische Kilianskapelle (ab 1472), wohl eine der schönsten gotischen Doppelkapellen Deutschlands. 




Ein Gang um das mit aufwändiger Maßwerkbrüstung und einem Wappenfries verzierte Obergeschoss zeigt den „Wertheimer Affen“, der als Symbol der Eitelkeit gilt. Sie wurde erst als Kapelle für die Stiftsherren erbaut und diente ab 1604 als Lateinschule. Am Engelsbrunnen (1574) tragen 2 Engel das Wappen der Grafschaft. 




Dabei sieht man Skulpturen von Schultheiß, Ratsherr, Stadtbaumeister, Künstler, die den zur Bauzeit bekannten Planeten und ihren Tierkreisbildern (Saturn, Jupiter, Mars, Venus und Hermes) zugeordnet sind. Sehenswert ist auch Gebäude Nr. 6, Gerbergasse, von 1583. Hier im sog. Malerwinkel wurde im 16. Jh. eine Synagoge erbaut. Der mit vielen Steinmetzzeichen und Hochwassermarken verzierte Baunachshof, Friedleinsgasse, ist nach dem Weinhändler Lorenz Baunach benannt. In der ehemaligen Fürstlichen Hofhaltung (bis 1781), Mühlenstraße, mit dem Weißen Turm der Stadtmauer befindet sich das Rathaus. 




Die Anlage ging aus dem mittelalterlichen Bronnbacher Klosterhof hervor und wurde im 17./18. Jh. als Hofhaltung des katholischen Fürstenhauses mit aufwändigem Barocksaal ausgebaut. Das Glasmuseum befindet sich im Kallenbach´schen Haus (1577) und einem benachbarten Fachwerkhaus. Besuchenswert ist außerdem das Grafschaftsmuseum, in dem man außer Sammlungen zur Stadt und der Grafschaft auch Bilder des norddeutschen Malers Otto Modersohn (1865-1943) und seiner Malerfreunde sehen kann.



Hinauf zur Ruine Wertheim
„Eine der größten und schönsten Ruinen Deutschlands“
Georg Dehio 




Zur Geschichte
Die umfangreiche Anlage ging aus einer staufischen Anlage hervor und wurde in mehreren Phasen bis ins 17. Jahrhundert zu einem Schloss, eine der gewaltigsten Anlagen Deutschlands, ausgebaut. Sie liegt in beherrschender Lage über der Stadt und gewährt einen schönen Blick in die Täler der Tauber und des Mains. 



Die Grafen von Wertheim sind seit dem 11. Jahrhundert bekannt und nannten sich mit Wolframus de Wertheim 1132 erstmals nach ihrer Burg; die Burg selbst wurde 1192 erstmals erwähnt. Die Grafen errichteten ab etwa 1200 in der Gegend um das Taubertal und am mittleren Main eine selbstständige Herrschaft, die zwischen den Mainzer und Würzburger Territorien lag. Trotz zahlloser kriegerischer Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn konnten sie sich behaupten. 1235 bis 1240 hat sich Graf Boppo II. vermutlich eine völlig neue Burg erbaut. 


1556 starb das Geschlecht mit Michael III. aus. Sein Schwiegervater Graf Ludwig von Stolberg-Königstein-Rochefort übernahm daraufhin die Grafschaft und hinterließ sie 1574 seinen drei Schwiegersöhnen, die die Herrschaft teilweise gemeinsam, teilweise abwechselnd ausübten. Schließlich übernahm Graf Ludwig III. von Löwenstein die Alleinherrschaft. In einer Auseinandersetzung mit dem Würzburger Bischof, der so genannten Würzburger Fehde (1598–1617), erlitt die Grafschaft erhebliche Verluste. 1611 teilte sich die Grafschaft in zwei Linien, von denen eine katholisch, eine andere evangelisch war. Beide standen im Dreißigjährigen Krieg auf verschiedenen Seiten und je nach Kriegslaune übte mal die eine, mal die andere die Herrschaft aus, während sich die jeweils andere im Exil befand. Die katholische Linie wurde 1711, die evangelische 1812 gefürstet. 1806 kam die Herrschaft zum Teil an Baden, zum Teil an das Fürstentum Aschaffenburg, 1810 an das Großherzogtum Frankfurt und 1814 an Bayern. Sie waren die einzige deutsche Herrschaft, deren Besitz in vier der in der napoleonischen Zeit entstandenen Staaten verteilt war. 



Von der 1183 erstmals erwähnten Burg sind vielleicht noch einige Kapitelle erhalten. Um die Anlage nach Süden abzusichern, hat man eine breite Schlucht ausgehoben. Über ihrer Steilflanke wurde dann die Oberburg errichtet, zu der der Bergfried gehörte. Eine erste Ringmauer wurde um 1170 erbaut, in ihrer Nordostecke liegt der Palas. In Verbindung mit ihr baute man Schenkelmauern zur Stadtmauer. Im 13. Jahrhundert errichtete man eine Kapelle, Seitenwerke und eine zweite Ringmauer.

Im 14. Jahrhundert baute man dann die Anlage im Wesentlichen so aus und um, wie sie heute noch erhalten ist; u. a. hat man die weitläufigen Außenwerke hinzu gebaut. Als Ende des 14. Jahrhunderts die Feuerwaffen aufkamen, wurde jenseits der Schlucht das Bollwerk angelegt. Vor allem im 15. Jahrhundert wurde die Burg noch einmal zusätzlich mit einem weiteren Mauerring befestigt, hierzu gehören das Doppelturmtor, der Holderturm, der Zehnringturm, das Obere und das Hintere Bollwerk sowie der Weiße Turm. Anfang des 15. Jahrhunderts hat man die Anlage nach Nordosten vergrößert, ebenso die Schenkelmauern erweitert und verstärkt. In der Unterburg wurde um 1470 der Johannesbau mit Treppenturm und Kasematten errichtet, Anfang des 16. Jahrhunderts die Hausvogtei. Im 16. Jahrhundert wurde dann die Burg zum Schloss ausgebaut. Hierzu gehörte um 1590 auch die Errichtung des Löwensteiner Baus in der Unterburg. 



Am Anfang des 16. Jahrhunderts hat man die südöstliche Schenkelmauer erhöht, außerdem wurde der Altan als Wehrgalerie und Aussichtsgang gebaut. Von ihm aus konnte man das Taubertal überwachen. Ebenfalls im 16. Jahrhundert wurde der Weiße Turm mit einem z. T. schieferverkleideten Fachwerkaufsatz versehen. 1619 richtete eine Pulverexplosion erheblichen Schaden an. Teilweise Zerstörungen fanden 1634 durch Artilleriebeschuss der Kaiserlichen und 1647 statt. 1742/45 wurde das Burgtor durch ein Festsaalgebäude ergänzt. Es weist innen Stuckaturen auf. Außerdem wurden die Turmhelme erbaut. 1785 wurde die steinerne Zugbrücke erneuert.

Im Februar 2001 ist im hinteren Teil ein Stück der Burgruine, ein etwa zwanzig Meter langes und zwölf Meter hohes Stück der Burgmauer, zusammengebrochen und talwärts in den Burghof gerutscht.  


Die Anlage
Die Burg ist von einem Halsgraben vom dahinter liegenden Berg getrennt. Durch die Schenkelmauer bilden Burg- und Stadtbefestigung eine Einheit.

Von der aus staufischen Zeiten stammenden Kernburg aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts blieben der Bergfried, die Ruine des Palas und die Ruine eines Wohngebäudes erhalten.

Der quadratische, fünfstockige Bergfried ist aus Buckelquadern errichtet und besitzt eine Seitenlänge von etwa 6 ½ Meter, die Wand ist etwas mehr als zwei Meter breit. Seine Höhe beträgt ungefähr 25 Meter, wobei der Eingang etwa zehn Meter hoch lag. An den Kragsteinen am Turm erkennt man die Lage des einstigen Wehrganges. Nördlich des Turmes befindet sich die mehrere Geschosse umfassende Front des Palas. Hier lagen über einem Untergeschoss zwei hohe Wohngeschosse, außerdem gab es im Giebel ein Dachgeschoss. Zwischen den beiden unteren dreiteiligen Fenstern befand sich der spitzbogige Eingang, den man wahrscheinlich über eine Holzstiege erreichte. 
 


Die Fenster im Obergeschoss weisen Dreipassbögen auf. Sie sind teilweise zerstört, nur der mittlere Pfeiler zeigt noch ein um 1220 bis 1250 geschaffenes Knospenkapitell. 1562 erhielt die Fassade Rechteckfenster. Innen erkennt man noch Kamine und Teile der Deckenkonstruktion. Ein weiterer Wohnbau befindet sich östlich davon. 1562 wurden beide Gebäude zusammengefasst, damals ist auch ein achteckiger Treppenturm mit einem aufwändigen Renaissanceportal errichtet worden. 




In seinem oberen Teil befinden sich die Wappen des Grafen Ludwig Stolberg-Königstein-Wertheim und seiner Frau Wahlburg, einer geborenen Gräfin von Wied. Im südwestlichen Teil stehen vor 1500 errichtete Bauten mit einem Treppenturm und der so genannte Löwensteiner Bau (vor 1600).

Info:
Tourismusgemeinschaft „Liebliches Taubertal“ e.V., Gartenstr. 1, 97941 Tauberbischofsheim, Tel. 09341/825806, www.liebliches-taubertal.de, touristik@liebliches.taubertal.de
Hotel Schwan, Mainplatz 8, 97877 Wertheim, Tel. 09342 992330, www.hotel-schwan-wertheim.de
Hier erhalten Sie das Wertheim-Parfüm.

Literatur zum Wandern, Reisen und Besichtigen:
Jeweils Silberburg-Verlag, Tübingen und Karlsruhe
Sie erhalten die Bücher im Buchhandel, beim Silberburg-Verlag und das Buch „Genießertouren ins Liebliche Taubertal“ auch vor Ort in den Tourismusbüros.


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Artikel über Reisen und was schön daran ist, Artikel über die Welt der Alpen, Artikel über Baden-Württemberg, Besprechungen von Reise- und Wanderliteratur, Artikel über Stuttgart, Artikel und vor allem schwarzweiß-Fotos von und über Stuttgart für Minimalisten unter den Freunden der Fotografie; außerdem wird auf den englischsprachigen Blog für Leben und Erleben in Stuttgart und der weiten Welt hingewiesen.

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