Sonntag, 5. Juni 2016

Liebliches Taubertal: Bad Mergentheim, Igersheim, Weikersheim, Creglingen

Liebliches Taubertal – ein Tag voller Kultur

Bad Mergentheim, Igersheim, Weikersheim und Creglingen


Dieser Tag im Lieblichen Taubertal war der Kultur gewidmet. Zuerst schauten wir uns die berühmte Kur- und frühere Deutschordensstadt Bad Mergentheim genau an, nicht ohne allerdings bei einer Bierprobe im herrlichen Kurgarten wieder dem 500jährigen Reinheitsgebot mit einer Bierprobe Tribut zu zollen, dann ging es zur Ruine Neuhaus, wohl einer der größten Burganlage weit und breit. Nach einem herrlichen Forellenessen direkt vom Züchter stand die Schloss- und Gartenperle Weikersheim auf dem Programm.

Außer Bier- und Weinprobe konnten wir auch beim  Backen der berühmten „Schneeballen“ zusehen, zusammen mit dem Forellenessen war dies auch ein lukullisch recht ausgefüllter Tag. Aber der Reihe nach.



Bad Mergentheim, von der Stadt des Deutschen Ordens zur Kurstadt
Bad Mergentheim - Lebensfreude im Herzen
Die Kurstadt Bad Mergenheim verknüpft lebendige Traditionen mit Technologie und Gesundheitskompetenz für das 21. Jahrhundert. Ihr Flair ist das einer quirligen, wachsenden Stadt, die es zu entdecken lohnt.

Von 1525 bis 1809 erlebte Mergentheim als Residenz des Deutschen Ordens eine erste Blütezeit. Seit der Quellen-Entdeckung durch den Schäfer Franz Gehrig im Herbst des Jahres 1826 hat sich die Stadt zu Baden-Württembergs größtem Kur- und Heilbad entwickelt. Drei Trinkquellen und eine Badequelle liefern gesundheitsfördernde Sole.  1926 wurde der Stadt das Prädikat „Bad“ verliehen.

Die Große Kreisstadt ist bis heute geprägt durch das Residenzschloss der Hoch- und Deutschmeister mit barocker Schlosskirche, durch prunkvolle Bürgerhäuser sowie den Kurpark. Dieser zählt zu den zehn schönsten Parkanlagen in Deutschland. In Stuppach, einem der 13 reizvollen Ortsteile, ist die weltberühmte Grünewald-Madonna zu Hause. Edle Tropfen kommen aus zwei charakteristischen Weinorten (Markelsheim und Dainbach), die die zwei Weinanbaugebiete Baden und Württemberg abdecken.
Mit weitläufigem Wildtierpark, der mit Premium-Zertifikaten ausgezeichneten Solymar Therme, dem Deutschordensmuseum im Schloss sowie vielen weiteren Freizeiteinrichtungen von Kanuverleih bis Kartbahn ist das Erlebnisangebot groß. Hinzu kommen Rad- und Wanderwege, weitere Parkanlagen wie der Schlosspark im Stil eines englischen Gartens und ein Zentrum, in dem historischer Altstadtcharme mit vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten vereint ist. Kein Wunder also, dass dieser Urlaubsort immer beliebter wird.



Ihren Anteil daran hat sicher auch die Lebensfreude der Menschen. Sie wissen zu feiern – und natürlich was es heißt, gute Gastgeber zu sein. Zur kulturellen Vielfalt trägt mit besonderen Glanzlichtern die Reihe „Lieder im Schloss“ bei, die seit vielen Jahren große Künstler lockt. In der traumhaften Open-air-Kulisse des Schlosshofes spielten unter anderem schon Bob Dylan, Bryan Adams und Mark Knopfler– auch Neil Young, Sting oder Die Fantastischen Vier waren schon da.

Als dynamischer Wirtschaftsstandort mit internationaler Strahlkraft und hoher Lebensqualität kann Bad Mergentheim ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum vorweisen. Man darf also viel von dieser Stadt erwarten – nur nicht, dass sie gängigen Klischees vom ländlichen Raum entspricht.

Arbeitnehmer und wirtschaftliche Leistungsträger, Studenten der Dualen Hochschule, Kurgäste und Touristen – sie alle vereint Bad Mergentheim als lebenswerter Ort. Was für ein schönes Ambiente für die Heimattage 2016.

Die salzigen Quellen der heutigen Kurstadt Bad Mergenheim wurden bereits von der Jungsteinzeit bis zu den Kelten genutzt, dann verschwanden sie für rund 2000 Jahre wieder unter dem Boden. Das 1058 erstmals als Stadt genannte Bad Mergentheim entstand aus einem fränkischen Königshof und einer Siedlung unweit der Tauberfurt. Ihre Bedeutung geht auf den Deutschen Orden zurück, der bis zu seiner Aufhebung unter Napoleon 1809 hier bestand. Die Herren von Hohenlohe beschenkten erst 1207 den Johanniterorden, dann 1219 den Deutschritterorden mit Besitz und Rechten in Mergentheim; dieser richtete hier eine Kommende ein. 1340 erhielten die Deutschritter unter Kaiser Ludwig dem Baiern das Stadtrecht und die alleinige Stadtherrschaft. 1355 veräußerte der Johanniterorden nach langen Streitigkeiten fast seinen gesamten Besitz in der Stadt.

Die Stadt war früher wehrhaft ummauert und mit vielen Türmen versehen. Sie war eine beliebte Marktstadt und beherbergte oft Fürsten. 1525 versuchten die Bürger, reichsstädtische Unabhängigkeit zu erlangen. Ab 1527, nach der Zerstörung des Amtssitzes des Ordens in Horneck am Neckar, residierte der Hochmeister der im Deutschen Reich verbliebenen Ordensprovinzen in Mergentheim, wodurch die Stadt und die Burg Neuhaus in das Zentrum der Glaubenskriege gerieten. Im nahe gelegenen Herbsthausen besiegte 1645 die baierisch-kaiserliche Armee unter Mercy die Franzosen unter Turenne. Der Orden stellte dann für die Habsburger in deren Türkenkriegen 1696 das spätere k.u.k.-Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4., aber auch die Kultur lebte hoch: 1791 wurde Beethoven mit seiner Hofkapelle von Hochmeister Maximilian Franz, dem jüngsten Sohn Kaiserin Maria Theresias, nach Mergentheim geholt. Als das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekommen war, endete auch die Periode des Deutschritterordens. 1809 überließ Napoleon das Gebiet des Ordens König Friedrich I. von Württemberg. Ein Aufstand der Dörfer dagegen wurde am 29. Juni 1809 niedergeschlagen, der Deutsche Orden emigrierte nach Österreich.

Die Stadt drohte in die Bedeutungslosigkeit zu versinken, da entdeckte am 13. Oktober 1826 der Schäfer Franz Gehrig eine der lange verschütteten Heilquellen wieder und Mergentheim avancierte zur Badestadt. Kurgast war u.a. Eduard Mörike, der hier seine Frau fand. Herzog Paul von Württemberg verwahrte im Schloss seine völkerkundlichen und naturwissenschaftlichen Sammlungen.

Besichtigung Bad Mergentheim
Diese Beschreibung ist dem Buch Dieter Buck: Malerische Städteziele Nordschwarzwald – Nordbaden entnommen.

Wir beginnen unseren Rundgang am Bahnhof und folgen der Bahnhofstraße nach Süden zum Gänsmarkt. Hier befinden wir uns schon im historischen Zentrum von Bad Mergentheim. Der Kiliansbrunnen wurde 1589 eingerichtet und 1603 in Stein ausgeführt. Die Figuren stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.



Hinter ihm liegt das Spital zum hl. Geist. Es bestand ab Anfang des 13. Jahrhunderts, denn 1207 wurde dem Johanniterorden das Patronatsrecht an der Johanneskirche von Albert von Hohenlohe übertragen. 1554 übertrug der Orden dann seine Rechte in der Stadt an den Deutschorden, nachdem er der jahrelangen Auseinandersetzungen müde geworden war. Es wurde 1411 durch die Stiftung eines Bürgers erweitert, die heutige Form besteht seit 1772. Das Portal hinter dem Brunnen ist mit einem prächtigen Wappen des Hochmeisters Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg geschmückt. Er ließ das Spital 1698 abbrechen und wieder schöner aufbauen.

Wir gehen rechts am Spital vorbei, dahinter liegt links die 1740/41 erbaute und mit Stuckaturen ausgestattete Spitalkapelle St. Martin. Sie wurde unter Hochmeister Clemens August von Bayern im Stil des Rokoko ausgestattet. Außen befindet sich in einer Wandnische die Kopie einer Madonna von 1280. Innen sieht man u.a. Bilder des einheimischen Malers Zehnder und eine große Schnitzfigur des hl. Martin. 



Wir folgen weiter der Kirchstraße und kommen zu dem vom Johanniterorden etwa 1270 bis 1290 erbauten Münster St. Johannes d. T. eine gotische Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert. Der Turm stammt aus der Spätromanik und erhielt 1593 seinen oktogonalen Aufsatz. Das Mittelschiff wurde 1584 eingewölbt. Im Langhaus sieht man ein Kreuzrippengewölbe von 1584, aus dieser Zeit stammen auch die Malereien im Gewölbe. Nördlich des Chores befindet sich die 1608 erbaute Eck’sche Kapelle mit dem Grabmal des Stifters. Die mit Fresken versehene spätgotische Annakapelle auf der Südseite stammt von etwa 1500. Beachten sollte man die fein gearbeitete Kanzel, die zahlreichen Schnitzarbeiten, die Epitaphien und die prächtige Rokokoorgel. Am Wandpfeiler des Westgiebels sieht man außen als Eichmaß die „Mergentheimer Elle“.



Anschließend folgen wir vor dem Marktplatz der Mühlwehrstraße nach rechts zur 1371 eingeweihten Anlage St. Bernhard. Hier befand sich 1291 bis 1803 der Propsthof der Zisterzienserabtei Schöntal und an Schöntal erinnert noch das prächtige Wappen über dem Eingangstor. Hier in der Mühlwehrstraße und in der östlich des Marktplatzes liegenden Burgstraße sollte man übrigens auf Details an den Häusern wie Madonnen- und Heiligenfiguren sowie farbig gefasste Wappenschilde achten.



Kurz hinter St. Bernhard steht auf der linken Straßenseite das Ritterhaus. Das auch Geisterhaus genannte Renaissancegebäude wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Hier wohnten höhere Ordensbeamte. Auf dem Giebel ist ein Ritter zu sehen. – Dahinter sehen wir an der Straßenverzweigung zwei prächtige Fachwerkhäuser.

Wir folgen der Mühlwehrstraße nach links zur 1740 errichteten Pestsäule, die den Opfern von Pestseuchen gewidmet ist. – Danach sieht man den Rest des 1830 geschleiften Mühlwehrtors mit Stadtmauer und Torwärterhaus. Es gehörte zu den einst vier Stadttoren. Die Ummauerung entstand 1330 bis 1360, die Zwingermauer etwa 200 Jahre später.



Nun spazieren wir zurück zum Marktplatz wo uns links die so genannten Zwillingshäuser auffallen. Die klassizistischen Gebäude stehen an der Südseite der Stadtkirche St. Johannes. Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert und sind durch einen Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Sandsteinbogen verbunden. Sie wurden anstelle von vier kleineren Gebäuden errichtet.



Südlich davon auf dem Marktplatz steht der Milchlingsbrunnen. Seine Statue stellt vielleicht den Hochmeister Wolfgang Schutzbar, genannt Milchling, dar. Seinen Beinamen hat er deshalb bekommen, weil er von seiner Mutter lange gestillt worden war, angeblich sogar zwanzig Jahre! – An der Westseite sehen wir die 1469 erbaute Engelapotheke. Sie diente ab 1537 dem Deutschen Orden als Hofapotheke und zählt zu den ältesten Apotheken Deutschlands. – An dem gelben Haus links daneben sieht man am obersten Querbalken zwei Fische, davon geht bis zum Giebel eine geschnitzte Fischreuse ab.



Auf der Südseite des Marktplatzes steht das Renaissance-Rathaus. Es ist ein 1562 bis 1564 erbautes dreigeschossiges Steinhaus mit Treppengiebeln. Im Erdgeschoss befand sich einst eine Halle mit Läden, Brot- und Fleischbänken.




Südlich von ihm steht am Hans-Heinrich Ehrler-Platzes der im 19. Jahrhundert neu gestaltete Marienbrunnen. – An der Südseite des Platzes sieht man das Obere Badehaus von 1667. Wir gehen aber erst auf der linken Seite des Platzes nach Süden. Hier sehen wir das Kanzlerhaus. Es wurde Ende des 16. Jahrhunderts als Haus des Ordenskanzlers Kirchheimer erbaut und besitzt innen ein prächtiges Renaissanceportal. Auch das rechts daneben stehende Haus besitzt ein beeindruckendes Portal. – Dahinter steht etwas nach hinten versetzt die ab 1320 erbaute Marienkirche des Dominikanerklosters. Sie besitzt einen hellen gotischen Chor, sehenswert sind der Hochaltar mit dem Vesperbild, das Bronzeepitaph des Hochmeisters Walter von Cromberg († 1543) aus der Werkstatt Peter Vischers in Nürnberg und die zahlreichen Fresken ab etwa 1300. Im neugotischen Hochaltar sieht man eine Pieta, die vielleicht aus dem 14. Jahrhundert stammt. Der südliche Seitenaltar ist mit einem Relief mit einem Marientod von 1519 (Umgebung Riemenschneider) geschmückt.



Wir gehen zurück zum Hans-Heinrich Ehrler-Platz, wo links das Lyceum steht. Es wurde 1700 bis 1702 vom Deutschen Orden als Gymnasium erbaut, Mitte des 18. Jahrhunderts neu errichtet und 1790 aufgestockt. Hier halten wir uns links und gehen am Badehaus vorbei zur Straße Oberer Graben, hier halten wir uns links.

Bald sehen wir rechts das von einer Mauer umgebene Kapuzinerkloster mit seiner barocken Kirche. Das ab 1628 entstandene Kapuzinerkloster ist der letzte Klosterbau in Hohenlohe. Es wurde 1631 von den Schweden niedergebrannt, 1637 wieder aufgebaut und 1641 durch die Mariahilfkapelle erweitert. Man sollte das Alabasterepitaph des Klostergründers Johann Caspar von Stadion († 1641) und die reich stuckierte Maria-Hilf-Kapelle beachten.



Nun biegen wir nach links ab und spazieren wir am Rande des Parks entlang durch die Kapuzinerstraße hinauf zum Deutschordensschloss, das auf eine aus der Romanik stammende Wasserburg (12. Jh.) zurückgeht. Sie wurde 1219 von Andreas, Heinrich und Friedrich von Hohenlohe dem Deutschen Orden geschenkt. Im heutigen Schloss residierte von 1527 bis 1809 der Hoch- und Deutschmeister des Ordens, deshalb ist die Anlage auch so prächtig ausgestattet – das heutige Bild ist geprägt von den Baumaßnahmen 1565 bis 1574. 1827 bis 1860 residierte hier Prinz Paul von Württemberg. Im inneren Schlosshof gibt es zwei Türme mit prächtigen Wendeltreppen. In der Anlage befinden sich auch die Schlosskirche mit der Ordensgruft und das Deutschordensmuseum. Man kann die fürstlichen Räume besichtigen, besonders schön ist der frühklassizistische Kapitelsaal, der von Franz Anton Bagnato gestaltet wurde. Bei einer Besichtigung sieht man die Ausstellung zu 800 Jahre Deutscher Orden, Exponate zur Stadtgeschichte, ein Mörikekabinett, ein Diorama der Schlacht von Herbsthausen, die Adelsheim-Sammlung und Puppenstuben. Die Schlosskirche, heute ev. Stadtkirche, wurde 1730 bis 1736 unter Beteiligung von Balthasar Neumann und François Cuvilliés errichtet. Sie ist u.a. mit schönem Stuck, Deckengemälden, einem zweisäuligen Hochaltar (1735) und einer Kanzel von 1734 geschmückt. Auch die Gruft unter der Kirche ist stuckiert. In ihr befinden sich zahlreiche Grabmäler der Hochmeister. Hinter der Anlage liegt der Kurpark, in dem man einen schönen alten Baumbestand, einen japanischen Garten, einen Klang- und einen Rosengarten findet.



An der Ecke zur Burgstraße, links vor dem Eingang zum Deutschordensschloss, steht das mit einer Bronzetafel versehene Beethovenhaus. Beethoven musizierte 1791 als Bratschist im Hoforchester des Hochmeisters Maximilian Franz von Österreich. Hier biegen wir nach Westen in die Burgstraße ein. – Auf der rechten Seite sehen wir bald die Fuchsenschenke. Das mit einem schönen Eingang und Rokokofenstern geschmückte Gebäude gehörte 1722 dem Ordensbaumeister Roth und wurde von ihm zur Gastwirtschaft umgebaut, ab 1743 gehörte sie höheren Ordensbeamten. – An der Einmündung zum Marktplatz steht links das Mörikehaus. Es erinnert am Eduard Mörike, der 1844 bis 1851 hier lebte und seine spätere Frau kennen lernte.

Nun halten wir uns rechts in den Ledermarkt. Hier sehen wir auf der rechten Seite das kath. Pfarramt. Hier befand sich bis 1554 der Sitz des Johanniterordens. 1623 ließ es der Deutsche Orden umbauen. Über dem Portal sieht man die Wappen beider Ordensgemeinschaften. – Etwas weiter nördlich machen wir nach rechts einen Abstecher in den Johanniterhof. Er wurde vermutlich im 8. Jahrhundert als karolingischer Königshof angelegt. 1207 wurden die Patronatsrechte über die Kirche von Albert von Hohenlohe an das „Hospital des Heiligen Johannes des Täufers in Jerusalem“, dem Johanniterorden, übertragen. 1554 resignierte dieser vor der Übermacht des Deutschritterordens und verkaufte sein Besitztum an diesen. 



Rechts durch den Pfarrgang machen wir einen Abstecher zum Tautphoeus-Haus. Es wurde 1742 vom Ordenskanzler Josef Michael Tautphoeus erbaut und besitzt ein prächtiges barockes Doppelportal. Nun gehen wir etwas zurück. – Am Anfang des Johanniterhofes steht die ehemalige Teutsche Schul. Sie wurde unter Hochmeister Johann Caspar von Stadion im Renaissancestil eingerichtet und diente 1630 bis 1786 als Schule. Wir gehen dann nach rechts in den Johanniterhof und biegen an seinem Ende nach links ab in die Nonnengasse, hier spazieren wir nach rechts zur nächsten Querstraße, wo rechts die Deutschordensmünze steht. Diese Münzstätte wurde 1535 unter Hochmeister Walter von Cromberg eingerichtet, nachdem der Orden bereits 1355 von Kaiser Karl IV. das Münzrecht verliehen bekommen hatte. Das Haus besitzt ein schönes Portal mit einem alten Türblatt.



Die Münzgasse bringt uns nach links zum Zwingerturm, dem letzten Rest der 1540 bis 1544 erbauten Zwingermauer. Wir folgen der Münzgasse, dann der Unteren Mauergasse, die uns zur querenden Bahnhofstraße bringt.
Museum: Deutschordensmuseum, Tel. (0 79 31)5 22 12



Von Kurpark mit Bierprobe …
Nach unserem eher kurzen Stadtspaziergang ging es in den herrlichen Kurpark. Dort war im Zeichen „500 Jahre Reinheitsgebot“ eine Bierprobe mit dem Juniorchef der Herbsthäuser Brauerei angesagt. Auch dieses Mal erfuhr man viel Neues über Bier in allen Facetten.






   
  


Bierprobe mit Imbiss




 


 




… zur Burgruine
Igersheim hat zwei Besonderheiten aufzuweisen. Die erste, nicht jedermann auf Anhieb ersichtlich, ist eine der Brückenheiligenfiguren, wie man sie hier im Taubertal allenthalben sieht. Sie weist jedoch eine Besonderheit auf: St. Nepomuk trägt aus Ehrfurcht vor dem Jesuskind seine Mütze nicht auf dem Kopf, sondern in der Hand. Welch Glück, wenn es kundige Menschen gibt, die einen auf so etwas aufmerksam machen.

Die zweite Besonderheit ist bereits von weitem sichtbar: Die Ruine Neuhaus, die gleich einer Krone hoch über dem Taubertal thront. Sie wurde erst jüngst renoviert bzw. es wird noch daran gearbeitet, so dass sie wieder in einem Glanz strahlt, wie eine Ruine eben strahlen kann.

Ruine Neuhaus: alte Gemäuer und herrliche Aussicht
Die umfangreiche Ruine Neuhaus steht in landschaftsbeherrschender Lage über Igersheim. Die 1282 erstmals als Sitz des Gebhard von Hohenlohe-Brauneck genannte Burg war bis ins 13. Jahrhundert hohenlohisch, gehörte später zum Bistum Würzburg und war Lehen der Grafen von Schwarzberg. Vermutlich seit 1411 gehörte sie dem Deutschen Orden und diente als Sommerresidenz, Amtssitz und Waffenarsenal, außerdem wurde sie als Schatzkammer des Ordens verwendet. Sie wurde 1525 im Bauernkrieg und 1552 im Schmalkaldischen Krieg zerstört, danach aber wieder aufgebaut. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg auch als Gefängnis und Hinrichtungsstätte, u. a. 1628 bis 1631 für zahlreiche der Hexerei Verdächtige, benutzt. So richtete man allein innerhalb von vier Jahren 115 Personen hin, darunter einen neunjährigen Buben. 1704 wurde die Burg zum letzten Mal in wehrhaftem Zustand wieder hergestellt, die damalige Besatzung bestand aus mehreren hundert Mann. Danach diente sie noch als Wohnung für den Amtmann und den Pächter des Gutes, als Gefängnis und Aufbewahrungsort für Urkunden. Ab etwa 1790 verfiel sie. Erhalten sind Reste des Bergfrieds, Rondelle, einige Türme und das Vorwerk. Um die Anlage verläuft ein tiefer, breiter Burggraben. Der Bergfried besitzt einen Durchmesser von rund sieben Meter bei einer Mauerstärke von fast zwei Meter. 



 
Unten in Igersheim warteten bereits die Forellen der Forellenzucht Dürr auf uns. Während die Frau des Hauses einen leckeren Mix verschiedener von Lachs- und Regenbogenforelle zubereitete gab Fischmeister Josef Dürr einen kurzen Einblick in die Forellenzucht.






Aber dann ging es weiter zu einer der weiteren Perle des Taubertals: Weikersheim. Damit sind viele Assoziationen verbunden: Das Haus Hohenlohe, prächtiges Schloss, Schlosspark, Musik und die unselige Akademie des weiland Stuttgarter Regierungschefs Filibinger, die noch heute so vor sich hin dümpelt. Legen wir den Mantel des Vergessens darüber…




Weikersheim – Stadt, Schloss und Park
Weikersheim ist einer der Stammsitze der Hohenlohe und wurde erstmals 837 zur Zeit des Frankenkönigs Ludwigs des Frommen in einer Schenkungsurkunde des Klosters Fulda als Wighartesheim erwähnt. Die Herren Konrad und Heinrich von Weikersheim, auf die das Geschlecht der Hohenlohe zurückgeht, wurde 1153 erstmals genannt. 1156 wurde Weikersheim als Stammsitz des Hauses Hohenlohe erstmals erwähnt. Das Stadt- und Befestigungsrecht bekam die Stadt durch Ludwig den Bayern 1313 zugesprochen, unmittelbar danach wurde mit dem Bau der Ummauerung begonnen. Unter Graf Wolfgang II. von Hohenlohe wurde Weikersheim ab 1587 zur Residenz, man begann mit dem Bau des Schlosses und die Stadt erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1708 bestimmt Graf Carl Ludwig von Hohenlohe Weikersheim zu seiner Residenz, was der Stadt einen erneuten Aufschwung bescherte. Das Schloss wurde ausgebaut und der barocke Hofgarten angelegt. Das Bild des sehenswerten Städtchens geht auf die Regierungszeit der Grafen Siegfried (1619–1684) und Graf Carl Ludwig (1674–1756) von Hohenlohe zurück. 1756 erlosch die Linie Hohenlohe-Weikersheim und die Glanzzeit der Stadt war beendet.

Weikersheim: Stadtbesichtigung
Wir gehen von einem der Parkplätze aus zuerst zum Marktplatz. Hier findet man ein prächtiges historisches Stadtbild aus dem 17. Jahrhundert, wobei Schloss, Brunnen, Kirche, Schlossbrücke und der Rest der Stadtmauer mit dem Tor ein reizvolles Ensemble bilden. Beachten sollte man auch die verschiedenen prächtigen Steinportale und alten Türblätter. Wir machen zuerst einen kurzen Bummel durch die Gassen, bevor wir anschließend das Schloss aufsuchen.

Der prächtige Marktplatz erhielt seine heutige Ausgestaltung im 17. und 18. Jahrhundert unter Carl Ludwig Graf von Hohenlohe, der hier von 1709 bis 1756 residierte. Der Marktbrunnen wurde 1768 von Bildhauer Johann Andreas Sommer geschaffen und trägt u.a. das Allianzwappen Hohenlohe-Sachsen-Hildburghausen. – Das heutige Rathaus ist das ehemalige Kavaliershaus von 1711. In seinem Erdgeschoss waren Kanzlei- und Audienzräume untergebracht, darüber befanden sich drei Wohnungen für die höheren Beamten. Die Inschrift CLGVHVGHZLVC bedeutet Carl Ludwig Graf von Hohenlohe und Gleichen Herr zu Langenburg und Cranichfeld. – Gebäude Marktplatz 5 wurde 1598 als Lateinschule genutzt. In ihm wohnte mit Jörg Weber ein Urahne der Mutter von Goethe. – Das ehemalige Rentamt, Marktplatz 11, wurde 1728 erbaut. – Marktplatz 10, Gasthof Grüner Hof, steht am Platz der ehemaligen Hoffaktorei. – Marktplatz 12 ist ein 1728 erbautes ehemaliges Wachtgebäude. Rechts daneben steht mit Gebäude Marktplatz 8 der ehemalige Weinkeller und Kornbau. In ihm befindet sich heute das Tauberländer Dorfmuseum. Es wurde laut einer auf der Rückseite angebrachten Inschrifttafel 1582 erbaut, die zum Markt gerichtete, geschmückte Fassade wurde 1712 unter Graf Carl Ludwig erneuert.

Die ab 1418 erbaute ev. Stadtkirche ist eine dreischiffige Hallenkirche von der Teile wie das romanische Rundbogenfries aus der Vorgängerkirche stammen. Der Turm wurde im 16. Jahrhundert erbaut, der Chor und die beiden flankierenden Türme stammen aus dem 17. Jahrhundert. Der Taufstein wurde im 14. Jahrhundert geschaffen, die achteckige Renaissancekanzel um 1590. Schön geschmückt ist auch die Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Man sollte das Ton-Grabmal des sächsischen Herzogs Heinz von Sachsen-Lauenburg von 1437 und das Rittergrabmal beachten.

Wir gehen vor dem Schloss nach links in die Straße am Graben. Am Graben 5 ist das Alte Rentamt von 1597, das ein schönes Renaissanceportal und einen überdachten Balkon besitzt. – Gebäude Am Graben 10, Blaue Kappe, wurde mit der Stadtmauer um 1390 als Stadtturm erbaut und 1602 zum größten Teil neu erbaut. Das Gebäude diente auch als Gefängnis des seit 1360 bestehenden Centgerichts, das für schwerere Verbrechen zuständig war.

Nun gehen wir auf der anderen Seite des Schlosseingangs zur Hohenloher Straße. Links finden wir Gebäude 13, das Haus des Kellerers, des Burgvogts Gangolf Hesold von 1580. Es besitzt einen Wappenstein. Dann gehen wir zurück. – An Gebäude Hohenloher Str. 5 ist ein schönes Portal von 1838 zu sehen. Das Haus gehörte einer reichen jüdischen Familie. – Wenn wir weitergehen sehen wir links den Gasthof Bastion, der vermutlich gleichzeitig mit der Stadtmauer entstand und im Untergeschoss Schießscharten besitzt. – Wenn wir in der Hohenloher Straße weitergehen sehen wir rechts Gebäude Nr. 1. Dieser breite Bau entstand aus einst drei Häusern und ist am Sockel mit 1577 datiert. Das Obergeschoss wurde 1784 nach einem Brand erneuert. – Nr. 2 ist ein Fachwerkhaus von 1811.

In der Hauptstraße steht auf der linken Seite Gebäude Nr. 16, die Alte Münze. Das um 1560 erbaute Gebäude ist mit einem Wappenstein des Grafen Ludwig Casimir von Hohenlohe-Langenburg verziert und besitzt ein schönes Renaissanceportal. – Wenn wir weiter geradeaus gehen sehen wir auf der linken Seite das ehemalige Postgebäude der Thurn und Taxis (Nr. 17).

Rechts steht ein um 1770 erbautes Wohnhaus, Kirchstr. 16, mit schön verzierten Fensterrahmen und einer geschnitzten Renaissancetüre. – Gebäude Hauptstr. 22 ist mit Zierfachwerk und einem Erker geschmückt ist (16. Jh.); an der Hausecke steht der 1770 errichtete Rosenbrunnen.

Wir biegen nun nach links ab in die Hauptstraße. Das Eckhaus Hauptstr. 24 ist das 1732 unter Graf Carl Ludwig erbaute Gasthaus Krone, das ein schmiedeeisernes Barockgeländer und eine Inschrift über der Türe besitzt. – An Gebäude Nr. 26 befindet sich das älteste steinerne Stadtwappen (1567). Es diente bis 1967 als Rathaus. – Nr. 37 besitzt eine geschnitzte Rokokotüre, davor steht der Fischbrunnen von 1777.

Dahinter sehen wir den Gänsturm. Er wurde als Unterer Torturm zusammen mit der Stadtmauer um 1320 erbaut und stand mit dem Wartturm auf dem Winterberg in Sichtkontakt. 1721 wurde er barock umgebaut und erhielt eine Zwiebelhaube und ein Glöcklein, „das bey Justifizierung eines armen Sünders“ geläutet hat.

Wir kehren nun zurück und biegen in der Kronenstraße nach links ab. Gebäude Kronenstr. 4 ist mit 1584 datiert. Dahinter steht Gebäude 12, es ist mit 1545 datiert und mit einem Löwenkopf im Giebel verziert.

Wir biegen nach rechts ab in die Wilhelmstr. Nr. 16 links wurde anstelle der ehemaligen Synagoge errichtet. Juden wurden Ende des 13. Jahrhunderts erstmals in Weikersheim erwähnt. Nach mehreren Pogromen ließen sich erst im 17. Jahrhundert wieder Juden nieder. Die Synagoge wurde 1768 erbaut und 1824 klassizistisch umgebaut. 1928 war die jüdische Gemeinde jedoch so klein, dass die Synagoge geschlossen wurde und als Schreinerei genutzt wurde, wodurch sie jedoch den Zerstörungen der Reichskristallnacht 1938 entging.

Wenn wir nach links in die Katharinenstraße abbiegen, sehen wir einen Rest der Stadtmauer; das Recht zu ihrer Errichtung erhielt die Stadt 1313 von Kaiser Ludwig von Bayern. Sie besaß einst vier Türme. Der ehemalige, ihr vorgelagerte Graben ist bei der Stadtmühle noch als Mühlgraben erhalten.

Dahinter steht mit Gebäude Schulstr. 7 das ehemalige Spitalgebäude, ein breiter Barockbau mit einem Glockentürmchen und einem prächtigen Portal. Es wurde 1745 unter Graf Carl Ludwig erbaut und ist mit dem Allianzwappen der Hohenlohe und Öttingen geschmückt. Wir gehen zurück und halten uns in der Wilhelmstraße links, auf die bereits sichtbare Kirche zu. – An ihrer Marktseite biegen wir nach links ab zu Hauptstr. 10, dem 1605 als Fachwerkhaus erbauten Gasthof Schlossgarten. Er besitzt ein barockes Portal. – Auch gegenüber steht ein Fachwerkhaus.

Weikersheim – das Schloss
Wenn wir es noch nicht gemacht haben, sollten wir jetzt das Schloss Weikersheim besichtigen und in den halbkreisförmigen Schlosseingang hinein. Die Häuser Nr. 2 bis 6 wurden nach einem Brand 1784 neu erbaut, nachdem man im ganzen Fürstentum Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen Mittel hierfür eingesammelt hat. – Noch vor dem Innenhof kann man nach rechts in den Rosengarten gehen, wo man einige nette Zwergenfiguren sieht.



Das Innere des in der Renaissance entstandenen Schlosses wurde seit dem Aussterben der Weikersheimer Linie der Hohenloher kaum verändert. Es ging aus einer aus der Stauferzeit stammenden Wasserburg (12. Jh.) hervor. Auf diese Zeit geht auch der Bergfried zurück, der im 17. Jahrhundert umgebaut wurde. 




Als nach der Erbteilung Graf Wolfgang II. von Hohenlohe 1568 von Langenburg nach Weikersheim umsiedelte, begann er mit dem Umbau der alten Burg. Der Hauptteil ist der auf den Garten ausgerichtete Saaltrakt, der einen reich verzierten Giebel besitzt. 





Der Rittersaal im ersten Geschoss ist einer der am besten erhaltenen Festsäle aus der Renaissance. Seine Kassettendecke ist mit Jagdszenen ausgemalt. Beachtenswert ist auch das Relief mit einer Türkenschlacht (Anfang 17. Jh.). Die anschließende Kapelle stammt von 1600. Im zweiten Stock findet man die Appartements der Fürstin (Anfang 18. Jh.) mit einem der ältesten Spiegelkabinette. Im Langenburger Bau von etwa 1680 findet man u.a. sehenswerte Stuckaturen. 








Der barocke Schlosspark mit seinen mehr als fünfzig Steinfiguren der Künzelsauer Künstlerfamilie Sommer ist ein Meisterwerk der Gartenbaukunst. Man sieht griechische Göttinnen und Götter, Nymphen, Jahreszeitfiguren und auf der Balustrade des Burggrabens in satirischer Übertreibung der Hofstaat. Spaziert man an einem schönen Sommertag durch den Schlosspark, hat man das Gefühl, in einer bukolischen Landschaft zu sein, wozu nicht zuletzt auch die Weinberge des Taubertales beitragen.



Weikersheim – der Schlosspark
Der fürstliche Garten in Weikersheim zählt zu den wenigen hochbarocken Gartenanlagen, die es noch – in diesem Fall muss man sagen: wieder – gibt. Die Gärtner mussten damals strenge Pflanzen- und Beetformen anlegen, auch die Obst und Gemüsekulturen waren genau aufgeteilt. Die Dreiteilung in Obst-, Gemüse- und Blumengarten, die sich im Lauf des 16. Jahrhunderts entwickelte, ist heute noch erkennbar. Vor allem seine fast vollständige Ausstattung mit den ursprünglichen Skulpturen verleiht dem Park seine besondere Bedeutung. 




Das Leitbild bei seiner Anlage war an die französischen Gärten angelehnt, Axialität und Symmetrie waren die formalen Vorgaben, die es zu beachten galt. Dies wurde vor allem durch in Form geschnittene Bäume und Hecken, bei denen der Gärtner der Natur seinen Willen aufzwang, durch Kübelpflanzen, Brunnen und Statuen erreicht. Direkt vor dem Schloss wurden Ornamente aus niedrigen Buchshecken und farbigen Kiesen, Ziegelsplitt oder Kohle angelegt. 



Der ab etwa 1700 in der heutigen Form angelegte Weikersheimer Park wurde nach der Landesteilung der Hohenloher ab 1708 durch Carl Ludwig gestaltet. Er ist von einem Wegkreuz in vier Felder gegliedert und von Alleen flankiert. Was hier heute Rasen ist, war früher ornamental gestaltet. In der Mitte der Hauptachse befindet sich die Herkules-Fontäne, wobei man sich denken kann, wer in den Gedanken des Fürsten mit dem Herkules vergleichbar wäre. Am Ende der Hauptachse liegt ein ovales Bassin, abgeschlossen wird der Garten durch die Orangerie, deren Belvedere- und Triumphbogenarchitektur zu den prächtigsten Elementen der Anlage gehört. Durch ihre Flügel hindurch verlängert sich im Blick des Betrachters der Garten hinaus in die weite Landschaft. Die Skulpturen wurden zwischen 1708 und 1725 in der Werkstatt des Künzelsauer Bildhauers Johann Jacob Sommer geschaffen. Die Ecken des Broderieparterres werden durch die vier Winde – fast zehn Meter hohe Figuren – markiert.

Nach dem Tod Carl Ludwigs 1756 verlor Weikersheim den Status einer Residenz. Ab 1862 wurde der Garten als englischer Landschaftsgarten umgestaltet, er verlor seine barocke Anlage, und Anfang des 20. Jahrhunderts war er ziemlich verwildert. Erst Prinz Constantin von Hohenlohe-Langenburg begann ab den 1950er Jahren mit einer Rückgestaltung in den ursprünglichen, barocken Zustand; das Land Baden-Württemberg, das Schloss und Garten 1967 erwarb, setzte diese Arbeiten bis zur Fertigstellung 1997 fort.


 
Im Schlossgarten findet man zahlreiche Figuren von Gottheiten und Zwergen, Sinnbilder der Elemente und der Winde. Er gehört damit zu den wenigen europäischen Barockanlagen, bei denen man noch eine so umfangreiche Figurensammlung findet. Hier stellen sie sich nicht wie sonst so oft als bucklige und lächerliche Kreaturen dar, sondern zeigen sich honorig und seriös. Diese Mode, groteske Zwerge in Gärten zu zeigen, entstand Ende des 17. Jahrhunderts und war über ein halbes Jahrhundert vor allem in Süddeutschland, Österreich, Mähren, Böhmen und Oberitalien, vereinzelt auch in Sizilien und Frankreich, Sitte. Vorbild waren Stiche von Jacquet Callot, der 1616 über zwanzig Blätter mit buckligen und krüppelhaften Zwergen veröffentlichte.
Quelle:



Creglingen – Schneeballen und ein seltsamer Wohnturm


Schneeballen kann man in unseren Wintern zwar leider immer seltener formen, zum Glück gibt es aber in der Creglinger-Rothenburger Umgebung ein Gebäck, das nicht nur diesen Namen und diese Form trägt, sondern auch vorzüglich schmeckt. Wir durften wohl der bekanntesten Schneeballbäckerin Rosemarie Blechschmidt in Creglingen-Archshofen – verewigt im Buch und aufgetreten in der Reisesendung „Wunderbar“ des WDR – zusehen, wie dieses – frei nach den Worten in einer alten Chronik „Man nehme ein Steckelein…“ - Gebäck gefertigt wird. Probieren durften wir natürlich auch.

















Dieses Rezept stammt aus dem leider vergriffenen Buch „Gebacken und erzählt“ aus dem Silberburg-Verlag. Dort sind aber noch einige Exemplare vorrätig und können bestellt werden.


Dazu ließ uns der Schnapsbrenner Hans Ott von seinen herrlichen Destillaten probieren, so dass das Wegkommen aus Archshofen etwas schwierig war. 






Musste aber sein, denn in Creglingen selbst durften wir den Katzenturm besichtigen, der mitsamt seiner letzten Bewohnerin eine der besonderen Besonderheiten des Taubertals ist. Sie lebte über Jahrzehnte in ärmlichen Verhältnissen in diesem an die Stadtmauer angebauten Turm, zusammen mit ihren Katzen – deshalb auch der Name Katzenturm – und war zu Lebzeiten als etwas sonderlich angesehen. 





Trotzdem konnte sie ein kleines Vermögen ansammeln und dieses der Stadt mit der Maßgabe, aus ihrem Turm ein Museum zu machen, vermachen. Wir konnten es besichtigen.





Zu einer Besichtigung von Creglingen reichte die Zeit dann nicht mehr, aber trotzdem hier eine kurze Beschreibung für diejenigen, die im Taubertal unterwegs sein wollen.

Creglingen – Türme, Riemenschneider und mehr
Die Gründung von Creglingen geht auf ein alamannisches Sippenoberhaupt Crago (= Krähe) zurück (4. Jh. n. Chr.). Erstmals erwähnt wurde die Siedlung 1045 in einer Urkunde des Bischofs von Bamberg, der sie damals als Sicherheit eines Darlehens von zwanzig Pfund reinen Goldes von Graf von Luxemburg Heinrich II. als Pfand erhielt. Sie fiel dann wieder zurück, kam an den Pfalzgrafen von Laach, der sie 1088 dem Kloster Comburg schenkte. Vermutlich Anfang des 13. Jahrhunderts gelangte sie an die Grafen von Hohenlohe-Brauneck. 1349 wurde ihr das Stadtrecht verliehen, die Stadt durfte sich dann nach dem Vorbild der Nachbarstadt Rothenburg ob der Tauber befestigen. Nach dem Aussterben der Hohenlohe-Brauneck kam sie nach verschiedenen anderen Besitzern nach 1448 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, 1791 an Preußen, 1806 an Bayern und 1810 an Württemberg.



Die Altstadt ist noch zu großen Teilen ummauert, auch drei Wehrtürme sind noch erhalten. Der Lindleinturm aus dem 14. Jahrhundert, Stadtgraben 12, gehörte als Wehr- und Wachtturm zur Ummauerung. 1795 wurde ihm ein Fachwerkaufbau aufgesetzt, der zu Wohnzwecken diente. Er ist als Museum eingerichtet, in dem man einen Einblick in die Lebensweise der letzten Bewohnerin († 1995) bekommt. 






Sie setzte es durch, dass der früher Katzenturm genannte Turm umbenannt wurde. Weitere Türme sind der Faulturm und der Schlosserturm am Marktplatz. 

Die ev. Stadtkirche St. Petrus liegt hoch über dem Zentrum der Stadt und ist eine spätromanische Chorturmkirche aus der Zeit um 1300. Baumaßnahmen fanden 1508 und 1725 statt, 1727 wurde sie barockisiert. Der Altar stammt von etwa 1510, das Wandtabernakel aus der späten Gotik und der Taufstein von 1603. Beachtenswert sind die zahlreichen Epitaphien aus dem 16. Jahrhundert. Die 1580 geschaffene Kanzel ist mit Intarsienbildern geschmückt. Beachten sollte man auch die zahlreichen Grabdenmäler aus dem 16. Jahrhundert. Daneben steht das Pfarrhaus, ein schönes Fachwerkhaus. 






Eine prächtige und stadtprägende Fachwerkanlage ist das ausgedehnte Romschlössle aus dem 14. Jahrhundert. In ihm wurde bei Bauarbeiten 1994 der folgende Abortspruch an der Wand gefunden: „Wer den Arsch wischt mit der Hand,/der streichs an’s Maul, und nicht an die Wandt./Und Wer Unvorsichtig scheist auff’s Sitz Breth,/der schlecks fein mit seiner Zung weg.“ Auch das Apothekengebäude mit dem Erker in der Hauptstraße (16. Jh.) ist sehenswert. Wenn man durch den Ort schlendert, sieht man noch weitere prächtige Giebelhäuser.

 


Museen
Lindleinturmmuseum, Tel. (0 79 33)72 37
Jüdisches Museum, Badgasse 3, Tel. (0 79 33)7 01-0
Fingerhutmuseum, Tel. (0 79 33)3 70

Creglingen - Sehenswertes in der Umgebung
Außerhalb der Stadt befindet sich der jüdische Friedhof.

Südlich des Ortes in etwa einem Kilometer Entfernung steht die 1384 gestiftete und 1389 geweihte Herrgottskirche. Sie geht auf eine Hostie zurück, die ein Bauer beim Pflügen unversehrt gefunden haben soll. Die ältesten Glasbilder stammen von Ende des 14. Jahrhunderts. Mitten im Schiff steht der Tilman Riemenschneider zugeschriebene Marienaltar (1505), der als sein Meisterwerk gilt. Der Altar geriet bald nach seiner Erschaffung in Vergessenheit – Creglingen wurde 1530 evangelisch und da gab es keine Marienverehrung mehr. Außerdem fiel der Künstler durch seine Rolle im Bauernkrieg in Ungnade. Der Altar wurde hinter einer Bretterwand versteckt, an der über drei Jahrhunderte Totenkränze aufgehängt wurden. Erst im 19. Jahrhundert wurde er wieder entdeckt. Um den 25. August findet das „Lichtwunder“ statt, weil dann durch die Westrosette das Licht so auf den Mittelteil des Altars fällt, dass man meint, Maria würde tatsächlich zum Himmel fahren. Ursprünglich war dieses Phänomen auf den 15. August berechnet, durch die Kalenderreform des 16. Jahrhunderts hat es sich jedoch um zehn Tage verschoben. Der Hochaltar im Chor stammt aus dem 14. Jahrhundert. Beachtenswert sind auch die Seitenaltäre, das reich ornamentierte Chorgestühl (Ende 15. Jh.), die 1594 gestiftete Kanzel, das etwa 1500 geschaffene Kruzifix, das Priestergrabmal aus dem Umkreis Tilman Riemenschneiders sowie die Totenschilde des 14. Jahrhunderts. Die Kanzel wurde in der Spätrenaissance (1594) geschaffen. Die Fenster im Chor stammen aus der Entstehungszeit, das Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert. Auf der Außenkanzel soll der berühmte Dominikanermönch Tetzel seine Ablasspredigten gehalten haben. 






In der Nähe befindet sich auch das Fingerhutmuseum.



Die romanische Ulrichskapelle in Standorf wurde nach dem 6. Kreuzzug (1228/29) von fränkischen Adeligen gestiftet. In ihr soll das Grabtuch von Turin einmal 16 Jahre lang verwahrt geworden sein. Sie wurde als Oktogon erbaut. Nahebei entspringt die Ulrichsquelle, die nach der Überlieferung Hilfe bei Augenleiden versprach. Im 13. und 14. Jahrhundert fanden große Wallfahrten hierher statt.



Der Abend dieses Tages im Lieblichen Taubertal klang aus bei einer Weinprobe im Hotel Weinstube Lochner im Weinort Markelsheim. 


Wer noch konnte, streifte noch kurz durch das historische Markelsheim, denn es lohnt sich - der Weinort Markelsheim hat einige sehenswerte Bauten aufzuweisen. Die Grundschule auf dem Engelsberg war einst ein Hof mit den Resten einer ehemaligen Beginenklause (1250-1408). Die Kirche ging aus der Kapelle der Frühmessstiftung von 1361 neben der Beginenklause hervor, seit 1740 Bergkirche St. Margaretha. Sehenswert sind der Veitsaltar und das Altarbild der 14 Nothelfer. Der 48 m hohe Glockenturm war vermutlich der Turm einer Sicherungskette im Taubertal. Er wurde 1490/1494 unter dem Deutschmeister Andreas von Grumbach erbaut; im Glockenstuhl befinden sich 4 Glocken, die älteste stammt von 1522. Das im 15. Jh. erbaute Rathaus trägt das steinerne Ortswappen und besitzt 2 Fachwerk-Erkertürmchen. Seit 1439 war es Sitz der Deutschordens-Gerichtsbarkeit des Amtes Neuhaus. Der Bacchus-Brunnen ist eine Steinmetzarbeit aus heimischem Muschelkalk. Er symbolisiert das Leben und die Kultur des Weinortes. Sehenswert ist auch die Marienstatue. Der Fronhof und Zehntscheuer (1303-1803) gehörte dem Stift Neumünster, das ihn mit Amts- und Kelterhaus unterhielt. Beachten sollte man auch das Alte Pfarrhaus in der Weingasse sowie weitere schöne, alte Fachwerkhäuser hier und in den anderen schmalen, winkligen Gassen. An der 1896 aus einer Holzbrücke hervorgegangenen Tauberbrücke sieht man Skulpturen der Brückenheiligen St. Kilian und St. Urban. Bei der Brücke steht auch eine Renaissancekapelle aus dem Jahre 1848, die der hl. Dreifaltigkeit gewidmet ist. Der Bahnhof mit dem alten Stellwerk wurde 1869 zur Eröffnung der Taubertal-Eisenbahnlinie errichtet. Im und um den Ort sieht man verschiedene schöne Bildstöcke

Danach ließ uns der ehemalige Kellermeister der Genossenschaft zum Abendessen auf humorvolle Weise – schließlich hieß er auch noch Lustig - an seinem reichen Wissen und Erfahrungsschatz über alles, was den Wein betrifft teilhaben. 







Literatur zum Wandern, Reisen und Besichtigen:
Jeweils Silberburg-Verlag, Tübingen und Karlsruhe
Sie erhalten die Bücher im Buchhandel, beim Silberburg-Verlag und das Buch „Genießertouren ins Liebliche Taubertal“ auch vor Ort in den Tourismusbüros.

Info:
Tourismusgemeinschaft „Liebliches Taubertal“ e.V., Gartenstr. 1, 97941 Tauberbischofsheim, Tel. 09341/825806, www.liebliches-taubertal.de, touristik@liebliches.taubertal.de
Tourist-Information, Marktplatz 1, 97980 Bad Mergentheim, Tel. 07931/574815, www.bad-mergentheim.de
Herbsthäuser Brauerei, 97980 Bad Mergentheim-Herbsthausen, Tel. 07932/9100-0, www.herbsthaeuser.de


Forellenzucht Josef Dürr, Erlenbachtalstr. 17, 97999 Igersheim, Tel. 07931 42170

Tourist Information, Marktplatz, 97990 Weikersheim, Tel. 07934/10255, www.weikersheim.de
Schloss Weikersheim, Tel. 07934/99295-0, www.schloss-weikersheim.de
Touristinformation Creglingen, Tel. 07933/631, www.creglingen.de
Flair Hotel Weinstube Lochner, Hauptstr. 39, 97980 Bad Mergentheim-Markelsheim, Telefon 07931 9390, www.weinstube-lochner.de
Brennerei Ott, Weiler 7, 97993 Creglingen, Tel. 07939/536, www.brennerei-ott.de

Fotos: Dieter Buck; Creglingen

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