Dienstag, 10. März 2015

Stuttgart - die Gebrauchsanweisung

Elisabeth Kabatek:
Gebrauchsanweisung für Stuttgart 



Wenn man als alteingesessener Stuttgarter dieses in der Piper-Reihe „Gebrauchsanweisung für…“ Buch liest staunt man, was man alles nicht weiß. Obwohl man doch denkt, man hätte im Laufe seiner Lebensjahrzehnte alles mitbekommen was sich in der Hauptstadt des deutschen Südwestens so tut.

Diese »Eine Liebeserklärung an Stuttgart.«, wie die Stuttgarter Nachrichten geschrieben haben, ist eine ungeheure Fleißarbeit, das muss man neidlos zugestehen. Man frägt sich auch ob die Autorin überhaupt noch Zeit für andere Arbeiten hat, für Ausflüge außerhalb Stuttgarts oder für Kulturveranstaltungen, die nicht in Stuttgart stattfinden, so viel an Fakten findet man hier. Alles mit viel Wissen, vor allem aber mit einer humorvollen, witzigen Schreibe, so dass man, einmal angefangen, gar nicht mehr mit Lesen aufhören möchte.

Alles hat sie recherchiert: Die Hoppelhasen im Schlossgarten, die Pünktlichkeit der U-Bahnen und die Bärenseen, Sternegastronomie und Waldheime, das Sommerfestival der Kulturen und das Understatement der Bewohner also alles, was die Stuttgarter Lebensqualität ausmacht. Die Autorin porträtiert ihre Heimat, die als Ballettstadt reüssiert hat und als Konjunkturzünder blüht. In der die Arbeitsmoral so wichtig ist wie das richtige Spätzlerezept und die Politik der Hinterzimmer, aber auch der neue Bürgerprotest Urständ feiert. Scharfsinnig und mit einem Augenzwinkern schreibt sie über echte und falsche schwäbische Idylle. Sie verrät den Reiz der »Halbhöhe« und wie es um die Kehrwoche bestellt ist. Und warum sie auf die schwülen Sommer am Neckar ebenso verzichten kann wie auf Stuttgart 21.

Etwas aber findet der Autor als, wie gesagt, Stuttgarter, nun nicht ganz so toll in diesem ansonsten tollen Buch: Immer wieder kommt Kaabtek auf irgend eine Art und Weise auf das Stuttgarter Understatement, oft als eine Art Minderwertigkeitskomplex, zu sprechen. Das ist etwas, das meiner Meinung nach nicht so betont zu werden brauchte. Stuttgart ist halt so wie es ist, der Stuttgarter ist so wie er ist - und das ist gut so. Man braucht überhaupt keinen Minderwertigkeitskomplex zu haben, und deshalb braucht man auch nicht darauf hinzuweisen.

Zur Autorin:
Elisabeth Kabatek wuchs unweit der schwäbischen Landeshauptstadt auf. Sie studierte Anglistik, Hispanistik und Politikwissenschaft in Heidelberg und Spanien und arbeitete in Frankfurt am Main und Barcelona. Seit 1997 lebt sie in Stuttgart. Ihre ersten beiden Romane »Laugenweckle zum Frühstück« und »Brezeltango « wurden auf Anhieb zu Bestsellern; mit »Spätzleblues« komplettiert sie die erfolgreiche Serie.

Elisabeth Kabatek: Gebrauchsanweisung für Stuttgart. 224 Seiten, Piper Verlag. ISBN: 978-3-492-95822-6. € 11,99 [D], € 11,99 [A], sFr 12,90



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