Montag, 18. August 2014

Tirol: feine Schnäpse aus dem Oberland

Schnäpse: 
Kaiserliche Tropfen aus 
dem Tiroler Oberland

Im sonnigen Paradiesgarten des Tiroler Oberlandes gedeiht das Obst für Schnäpse und Liköre besonders gehaltvoll. Drei Meister der Destillierkunst führen das Geschmackserlebnis zur Vollendung.

Die Schnäpse des Tiroler Oberlandes 
wurden vielfach ausgezeichnet. ©Maass Brand

Ein feines kulinarisches Menü und danach ein durchschnittliches Konfektions-Stamperl als Draufgabe? Kommt für wahre Genießer nicht in Frage. Aus der fruchtbaren Erde des Tiroler Oberlandes, mit gutem Wasser getränkt, wachsen gesunde Obstbäume mit erstklassigen Früchten. Die Sonne auf den Hangterrassen schenkt ihnen viele Extra-Verwöhnstunden und damit Süße und intensives Aroma.  Zur rechten Zeit braucht es gefühlvolle Erntehelfer und eine sorgfältige Auslese, dann tritt das Obst seine brandheiße Geschmacksreise an, um die Gaumen der Spirituosen-Kenner zu erfreuen. Die Prutzer Gerhard Maass, Heinz und Klaudia Kofler sowie Peter Gspan aus Pfunds widmen sich der hohen Brennkunst – und das überaus erfolgreich.

Österreichs größte Marillenkultur
Allein könnten sie sich nicht verwandeln, da müssen Könner ans Werk, Champions der Destillerie, die den Schöpfungsakt vom Gedeihen der Frucht bis zum edlen Tropfen meisterhaft bereiten und begleiten. Gerhard Maass – nach seinem Hof auch „Turabauer“ genannt – hat die Marille bzw. Aprikose zu seiner Königin gemacht und sich damit zum Marillenkaiser gekrönt.

Er pflanzte auf einer Seehöhe von 900 Metern oberhalb von Prutz im Tiroler Oberland ca. 10.000 Marillenbäume auf sechs Hektar Fläche und besitzt damit vermutlich Österreichs größte Marillenkultur am Stück.  Nicht ganz ohne Risiko, denn in dieser Höhe kann es während der Blüte zu Frostnächten kommen. Da bedarf es Achtsamkeit, aber diese braucht ein guter Brenner sowieso. Seine Erfolge – er wurde schon mehrfach mit dem World-Spirits-Award ausgezeichnet - bringen Gerhard Maass auch die Anerkennung ehemaliger Skeptiker ein: Gold für Traube, Gold für Spenling (Wildpflaume) mit seinem Mandel-Marzipan-Duft, Silber für Vogelbeere, Orangenblütenmuskateller, Kirsche und Williams usw.

Es versteht sich, dass sein „Kernprodukt“, die aromatische Bergmarille, bei Prämierungen ebenfalls regelmäßig mit Spitzenplätzen glänzt. „Wir bieten 60 verschiedene Schnapssorten an. Es macht mich schon stolz, dass ich beim jährlichen World Spirits Award ganz vorne mitmischen darf“, zeigt sich Maass zufrieden.

Süße Früchtchen als sinnliche Verführung
Duftende Obstkörbe mit sonnenverwöhnten Kirschen, Weichseln, Marillen, Pfirsichen, Nektarinen, Zwetschken, Äpfeln, Birnen und Beeren offerieren auch die Gärten und Kulturen von Heinz und Klaudia Kofler aus Prutz. Ihre süßen Früchtchen vereinigen sich nicht zu einem gewöhnlichen Obstler, sondern werden in der hofeigenen Brennerei zu charakterstarken individuellen Schnäpsen und Likören verarbeitet.

Das Geheimnis dabei: Die Frucht am Baum lassen, bis sie so süß im Saft steht, dass sie fast schon zu Boden tropft. Zudem muss man das Geschmackspotenzial genau kennen und damit behutsam umzugehen wissen. Kirschen z. B. sind nicht einfach nur Kirschen. Es gibt die Sam-, Van- und Herzkirschen, die ebenso verschieden schmecken wie Weichseln, Morellenfeuer und Cordiakirschen. In den Kofler-Edelbränden kommt diese Geschmacksvielfalt zum Ausdruck und überzeugt auch die sensibelsten Gaumen. „Die Faszination des Schnapsbrennens ist der intensive Kontakt zur Natur. Die Früchte unterliegen der Witterung, bäumen sich gegen Frost sowie Schädlingen auf und liefern im Herbst den aromatischen Mix für unsere Schnäpse“, erklärt Heinz Kofler begeistert.

Absinth aus der Zauberküche
Unweit von Prutz im Tiroler Oberland liegt Pfunds, wo Peter Gspan die Kunst des Destillierens exzellent beherrscht. Er begann 2008 mit einer modernen Kolonnen-Brennanlage Schnaps zu brennen, was allerdings viel zu profan klingt für die feinen Brände, die in seiner Zauberküche entstehen.  Als Newcomer erreichte er schnell Bestnoten in der Schnapsprämierung. „Die größte Auszeichnung ist für mich der Besuch eines Gastes, welcher mit einem schönen Gefühl die Brennerei verlässt und den Wunsch hat wieder zu kommen“, meint Peter Gspan. 30 feine Destillate aus eigenem Obst, Wildfrüchten und Kräutern sowie aus Südtiroler Ernte hat er im Angebot.

Darunter einen ganz besonderen Trank, der gern als „grüne Fee“ bezeichnet wird: Absinth. Wilder Wermut, heimische Minze, Koriander, Ysop aus dem eigenen Garten und Wacholder von den Bergen prägen eine harmonische Komposition, die großen Arbeitsaufwand erfordert. Wermutkraut wird 24 Stunden in hochprozentigen Apfelbrand eingelegt, dann gegen frischen Wermut ausgetauscht. Dreimal wiederholt sich der Vorgang, nun erst kommen die restlichen Kräuter dazu. Der mit Aromen angereicherte Alkohol läuft ein zweites Mal durch die Destille. Minze und Ysop verleihen dem glasklaren Brand nach einem Farbauszug die charakteristische grüne Farbe.

Schau in die Schaubrennerei!
Einen Edelbrand kippt man nicht einfach hinunter, damit er die Kehle spült, man gustiert und gibt sich dem Genuss der feinen Aromen hin. 

Das Tiroler Oberland und seine erfolgreichen Meisterbrenner widmen sich der Pflege der Trinkkultur und offerieren ihre erstklassigen Produkte – darunter auch Marmeladen, Säfte, Honig und Fruchtaufstriche – in gemütlichen Schaubrennereien, die Tradition mit zeitgemäßem Ambiente verbinden.  Man kann sie auf der „Tiroler Schnapsroute“, mit rund 40 Partnerbetrieben in ganz Tirol, entdecken. Bei einer Führung werden die Besucher nach Voranmeldung von den Meisterbrennern persönlich in die Finessen der Destillierkunst eingeweiht. Genau wie aus Obst ein edler Trank wird, werden aus solchen Gesprächen oftmals philosophische Betrachtungen zur Lebenskunst. Wohl bekomms!

Dieter Buck

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