Dienstag, 8. Juli 2014

Völkermarkt

Völkermarkt



Allgemeines & Geschichte
 „…liegt die alte Stadt Völkermarkt, von welcher der Blick über das Jaunthal hinüber gegen die östlichen Karawanken, sowie gegen die Sannthaler (Steiner) Alpen wohl eines der herrlichsten Gebirgsbilder bietet. Während die nördliche Umgebung von Völkermarkt durch die Ruinen der Trixner Schlösser und jene von Waisenberg, das wohlerhaltene Schloß Thalenstein und die auf einem kolossalen Urkalkblock thronenden Überreste der Burg Griffen zahlreiche überaus anmuthige Landschaftsbilder in sich schließt, zeichnet sich das weite Jaunthal vorzüglich in seinem oberen Theile durch mehrere malerisch gelegene kleine Seen und liebliche Hügellandschaften aus, welche letzteren vornehmlich in der Umgebung von Sittersdorf und Globasnitz in ihren Südgehängen den Schmuck der edlen Rebe tragen, aus deren Frucht der wegen seines große Säuregehaltes bekannte, aber dennoch beliebte Sittersdorfer Wein gekeltert wird.“
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild. Kärnten und Krain. Wien, 1891.




Völkermarkt, der Hauptort Unterkärntens, liegt in landschaftlich reizvoller Lage auf einer steilen keilförmigen Terrasse aus der Eiszeit oberhalb der zu einem 21 km langen See aufgestauten Drau. Die Stadt wurde um 1090 von Graf Engelbert I. von Spanheim gegründet und wurde 1105 als „forum judeorum“ und „Volchimercatus“ = „Markt des Volko“ erstmalig genannt. Volko stammte aus Rheinfranken; außerdem waren auch Wallonen an der Stadtgründung beteiligt. 1147 fiel die Stadt an das Stift St. Paul im Lavanttal. Sie erhielt 1252 Stadtrechte. Völkermarkt war eine der ältesten Judengemeinden Kärntens und ab 1261 war hier auch eine bedeutende Münze tätig. Der Salzburger Erzbischof Eberhard gründete 1231 ein Kollegiatsstift für 12 Kanoniker und einen Propst, das 1248 nach St. Magdalena verlegt wurde.




1308 vernichtete ein Brand die Stadt bis auf 3 Häuser. 1405 erhielt der Ort das Stapelrecht für Lavanttaler Eisen, 1443 das Weinniederlagsrecht, was mit zu seinem Reichtum beitrug. Die Stadt stand wohl hoch in der Gunst Kaiser Friedrichs III., denn er schenkte ihr 1453 die Burg, residierte hier 1470 zeitweise und erweiterte 1479 das aus dem Jahr 1405 stammende Eisenhandelsprivileg. Der Kaiser hielt sich mehrmals in der Stadt auf und berief hierher 1470 einen großen Landtag der Länder Kärnten, Steiermark und Krain ein.



Ende des 15. Jhs. wurden starke Befestigungen gegen die türkische Gefahr gebaut. Jahrhundertelang war Völkermarkt das wirtschaftliche Zentrum des Kärntner Unterlandes, außerdem Grenzstadt. Ihre Blüte kam von der Lage an einer alten West-Ost-Handelsstraße und der Straße, die von Norden vom Hüttenberger Eisenrevier kam. Dazu kamen einige Privilegien wie Mittwochsmarkt und Weinstapelrecht.

 
1690 verheerte ein Erdbeben die Stadt, 1715 wütete die Pest. 1809 wurde von der Österreichern unter Erzherzog Johann die Draubrücke abgebrannt, worauf die Stadt unter Franzosen unter Marmot schwer zu leiden hatte.


Völkermarkt wurde in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg ein Zentrum des Kärntner Abwehrkampfes; vom 30. November 1918 bis 2. Mai 1919 war es von jugoslawischen Truppen besetzt, wobei es zu blutigen Kämpfen kam („Blutsonntag“ am 3. Mai 1919). Zur Erinnerung an die Volksabstimmung erhielt die Stadt den Ehrennamen „Stadt der Volksabstimmung“. Die Umgebung weist einen hohen slowenischen Bevölkerungsanteil auf. Der letzte größere Vorfall im Zusammenleben der Volksgruppen fand 1979 statt, als ein slowenischer Extremist im Museum einen Koffer stehen ließ, der später explodiert ist.

Sehenswürdigkeiten

In Völkermarkt blieb zum Glück noch einiges an alten Bauwerken erhalten. So sieht man noch etliche Häuser mit Biedermeierfassaden, insbesondere am Hauptplatz und in der Kirchengasse.

Für einen Kultur-Rundgang wird die folgende Reihenfolge empfohlen: Neues Rathaus-Dreifaltigkeitssäule-Münzgasse-10.-Oktober-Straße-Altes Postplatzl-Stadtmauerweg-Altes Rathaus-Altes Türlein in der Stadtmauer-Bürgerlustpark-Kirchgasse-Stadtpfarrkirche-St.-Pauler Zollhof-Griffener Tor-Faschinggasse-Museum.


Das Zentrum der Stadt bildet der lang gestreckte Hauptplatz; die ihn umgebenden schönen Bürgerhäuser besitzen Lauben und stammen im Kern aus dem 16. Jh., ihre Fassaden aber aus dem Biedermeier. Sehenswert ist bspw. das blau gestrichene und mit Stuckaturen geschmückte Zechnerhaus, aber auch andere Häuser mit geschmückten Fassaden.Am Hauptplatz steht auch die Pestsäule mit der Dreifaltigkeit (1713/15). Sie erinnert an das letzte Pestjahr 1715, als 194 Menschen an der Seuche starben. ─ Am unteren Ende finden wir ein Denkmal zur Erinnerung an den Krieg und die Volksabstimmung des Jahres 1920. ─ Am nördlichen Ende steht die ehemalige Neue Burg, heute das Neue Rathaus. In dem Gebäude stecken auch die Reste der Mitte des 13. Jhs. erbauten Herzogsburg. Hier hielt sich Friedrich III. gerne auf und schenkte sie 1453 den Bürgern der Stadt. 1470 hielt er hier einen großen Landtag ab, bei dem die Landstände von Kärnten, Steiermark und Krain sowie hohe geistliche Würdenträger des Reiches versammelt waren. Das dreigeschossige Gebäude besitzt heute eine klassizistische Fassade von etwa 1840. Daneben befand sich einst die 1256 genannte, gotische Burgkapelle, die ab dem 16. Jh. Wohnzwecken diente. ─ Das spätgotische Alte Rathaus, Unterer Hauptplatz 22, wurde 1499 erbaut; es diente als Rat- und Gerichtshaus und besitzt einen spätgotischen Laubengang mit 8-eckigen Pfeilern und ein kielbogiges, verstäbtes Portal.

Sehenswert ist auch die Münzgasse mit den Gebäuden Nr. 1 und 2. Hier wurde in der Regierungszeit Herzog Bernhards (1202–1256) eine Münzstätte errichtet, in der Münzen nach „Friesacher Art“ geschlagen wurden. Münzen aus Völkermarkt wurden bereits 1268 in einem Vertrag erwähnt, das letzte Mal 1338. An Gebäude Nr. 15 befindet sich eine Gedenktafel hierzu.

In der Kirchgasse findet man einen geschlossenen Bestand an Häusern mit Biedermeier- und Barockfassaden; es sind teilweise aus dem 16. Jh. stammende Kanonikerhäuser mit Fassaden aus dem Barock und dem Biedermeier. Diese Kapitelhäuser dienten dem Propst und den 12 Chorherren als Wohnungen. ─ Die Neue Propstei (1654) des meist in Tainach residierenden Propstes besitzt eine klassizistische Fassade von 1840. ─ Daneben in Richtung Kirche steht die Neue Dechantei (17. Jh.). ─ Nr. 16 war einst der St. Pauler Zollhof. ─ Nr. 18 ist das altertümlich wirkende Kapitelmesnerhaus und Nr. 20 die alte Stadtschule.

Gebäude Nr. 2, Bürgerluststraße (Altes Brauhaus) besitzt eine Biedermeierfassade und ein schönes Renaissanceportal. ─ Griffener Str. 4 ist ein aus dem 18 Jh. stammendes Stadthaus (1737). An dem Gebäude ist ein Bäckerzunftfresko von 1737 zu sehen. ─ Gebäude Nr. 12, 2. Mai-Straße, ist die alte Dechantei und besitzt ein profiliertes gotisches Spitzbogenportal. ─ Die Faschingsgasse hat den ältesten Straßennamen der Stadt (1492), ihr Name kommt von einem Bürger namens Verschangg. ─ Gebäude Schwanengasse 1 wurde 1909 im Stil der Sezession errichtet.

Das Bezirksgericht, Seestr. 62, wurde 1896 in Stil des Historismus erbaut.

Ehemaliges Augustinerkloster
Hier sitzt heute die Bezirkshauptmannschaft. Das Kloster wurde von den Augustiner-Eremiten um 1262 zusammen mit einer Kirche erbaut und war das älteste Augustinerkloster Österreichs. Es wurde bedeutend als Sitz des Provinzpriors für Bayern, Böhmen und Österreich. 1808 wurde das hiesige Kollegium aus Nachwuchsmangel aufgelöst.

Bürgerspitalkapelle St. Jakob
Die ehemalige Bürgerspitalkapelle St. Jakob, Klagenfurter Str. 15, war ein Teil des ehemaligen Bürgerspitals. Sie stammt aus der Spätgotik und besitzt ein Stern- und ein Netzrippengewölbe. – Außen steht ein Karner.

Rosalien-(Pest)kapelle
In der um 1720 errichteten Rosalien-(Pest)kapelle, Klagenfurter Str., beim ehemaligen Augustinerkloster, sind Heiligenfiguren zu sehen. Sie erinnern an die Pestzeiten 1564, 1597, 1601 und 1715.

14-Nothelfer-Kapelle
Die 14-Nothelfer-Kapelle besitzt einen Zwiebelturm und stammt aus dem 19. Jh.

Stadtbefestigung
Die Stadt ist noch teilweise von der etwa 1250 erbauten Ringmauer umgeben, so vor allem die Böschungsmauern im Westen; im Norden beim Rot-Kreuz-Platz sind Mauerreste und beim Rathaus ein mächtiger Geschützturm aus dem 16. Jh. erhalten. Er besitzt querliegende Schießscharten. In die Außenwand ist der Renaissancegrabstein des Ritters Karl von Ungnad in Ritterrüstung (gest. 1598) eingemauert. Die Haupttore bildeten das Klagenfurter und das Griffner Tor; beide wurden 1864 abgetragen. Im Norden gab es kein Tor und die Stadt war durch Wall und Graben geschützt. Vom ehemaligen Griffner Tor sind nur noch wenige Mauerreste vorhanden, so über dem Torbogen des Gasthofes Zum Kronprinzen ein reliefierter Mauerstein (bez. 1503).

Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena
Die 1240–48 erbaute, nach einem Brand 1308 als spätgotische Hallenkirche errichtete dreischiffige Kirche ist überaus reich ausgestattet. Der Turm besitzt einen Zwiebelhelm aus dem Barock. Die Kirche besitzt ein prächtiges romanisches Stufenportal von etwa 1250 mit frühgotischen Beschlägen, in den Nischen daneben sieht man links einen Ölberg (1480) und rechts eine Kreuzigung (18. Jh.).

Der Turm wurde, nachdem er durch ein Erdbeben 1690 einstürzte, nicht mehr vollständig aufgebaut. Sehenswert sind auch das Sternrippengewölbe, die reichgeschmückten Kapitelle und das prächtige Sakristeiportal im Chor.

Die Kirche ist mit zahlreichen gotischen Wandmalereien aus dem 15. Jh. geschmückt, die in den Gewölben vielleicht von Thomas von Villach 1460 angefertigt wurden, auch die anderen stammen aus dem 14. und 15. Jh. Bemerkenswert ist die riesige Darstellung des hl. Christopherus mit einem manieristisch verdrehten Körper und aufwendigem Faltenwurf im Mantel. Der barocke Hochaltar wurde um 1730 gebaut und besitzt schöne Schnitzfiguren. Auch die anderen Altäre sind mit sehenswerten Schnitzereien und Bildern geschmückt. Bemerkenswert ist insbesondere der nördliche Nebenchor mit dem prächtigen Marienaltar (um 1735). Man sollte auch das barocke Chorgestühl (Anfang 18. Jh.) und die Ratsherrenstühle (17. Jh.) beachten. Beeindruckend sind ebenfalls die beiden Baldachinfiguren des hl. Nepomuk im Chor, außerdem das Portal zur Sakristei. Im nördlichen Nebenchor steht der Marien- oder Rosenkranzaltar, der prunkvollste Barockaltar der Kirche. Im südlichen Nebenchor befindet sich eine bedeutende Steinpieta des so genannten weichen Stils (Anfang 15. Jh.). Die überlebensgroße steinerne Madonna mit Kind wurde um 1400 gefertigt. Die mit prächtigen Figuren geschmückte Kanzel stammt von 1769. Die Glasgemälde in den Maßwerkfenster wurden 1897 gefertigt. Die Kirche besitzt eine große Zahl von sehenswerten Grabplatten.

Vor dem Hauptportal steht eine gotische Lichtsäule, die 1477 von den Schustern und Lederern gestiftet wurde.

Bezirksheimatmuseum/Stadtmuseum
Faschingsgasse 1, neben dem Rathaus. Das Museum in dem denkmalgeschützten, barocken Bürgerhaus ist die größte museale Einrichtung Südkärntens. Außer einer Dokumentation des Kärntner Abwehrkampfes 1918–20 und der Volksabstimmung findet man eine volkskundliche Sammlung aus Völkermarkt und der Umgebung. Öffnungszeiten: Mai bis Okt Di–Fr 10–13 und 14–16 Uhr; Sa 9–12 Uhr. Tel. 25 71-39.

Pfarrkirche St. Ruprecht
Die erst romanische Kirche St. Ruprecht steht nordwestlich des Stadtkerns im ältesten Teil der Stadt und wurde der Legende nach um 760 vom hl. Modestus gegründet, 1148 war sie Sitz eines Archidiakons. Der 1177 genannte Bau geht auf das 11./12 Jh. zurück und wurde mehrfach umgebaut und erneuert (18./19. Jh.). Der romanische Chorturm ist reich mit Lisenen und Blendarkaden geschmückt und wurde schon als der schönste romanische Kirchturm Österreichs bezeichnet (Kunsthistoriker Karl Ginhart). Das Westportal stammt aus der Romanik und besitzt im Tympanon den Rest eines Römersteins. Hinter dem Chor in der Sakristei sieht man eine gotische Sakramentsnische. Der aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte Hochaltar besitzt eine Kreuzigungsgruppe aus dem Barock. Sehenswert sind auch die anderen Altäre und die Kanzel von Anfang des 18. Jhs. Die Glasmalereien stammen von Anfang des 14. Jhs.

Auf dem Friedhof befindet sich ein romanischer Rundkarner aus dem 13. Jh. mit einer frühgotischen Apsis.

Schloss Kohlhof
In der Nähe der Pfarrkirche St. Ruprecht steht auf einer Anhöhe das im 16. Jh. erbaute Schloss Kohlhof, ein Renaissancebau mit gekuppelten Fenstern.

Kalvarienbergkapelle
Bei der Kalvarienbergkapelle (1779) auf dem Kreuzbergl hat man eine schöne Aussicht. Zur Kirche führen sehenswerte Kreuzwegstationen mit modernen Bildern.

Sonstige Sehenswürdigkeiten
Der im Süden der Stadt gelegene Bürgerlustpark bietet einen schönen Blick über den Völkermarkter Stausee, das Jauntal und zur Bergkette der Karawanken. Der Park wurde in der 2. Hälfte des 19. Jhs. angelegt und erhielt seinen Namen von den zahlreichen Turn- und Sängerfesten, die in ihm stattfanden.

Ein bemerkenswerter moderner Bau ist der Industriepark, Alfred–Mosel-Str. 1, im Stadtteil Dürremoos. Er wurde 1994/95 von Günther Domenig errichtet.

Feste & Brauchtum

Gefeiert wird der 10.-Oktober-Tag zur Volksabstimmung. Am Vorabend des Nikolaustages findet der Nikolomarkt statt.

Dieter Buck

Info:
Tourismusregion Klopeiner See - Südkärnten, Telefon 0043 (0) 4239 2222, www.klopeinersee.at, info@klopeinersee.at
Unterkunft:
Familienhotel Silvia, Familie Pukart, Westuferstr. 26, A 9122 St. Kanzian/Klopeiner See, www.hotel-silvia.at, office@silvia.co.at
Literatur:
Dieter Buck, Genusswandern in Kärnten. 50 einfache bis mittelschwere Touren. Styria regional. Wien, Graz, Klagenfurt. 2013
Hier können Sie das Buch kaufen: www.styriabooks.at
Empfohlene Karten:
Kompass 65 Klopeiner See Karawanken Ost, 1:50000
Kompass 065 Klopeiner See Bad Eisenkappel, 1:25000
Hier können Sie die Karten kaufen: www.kompass.at

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