Dienstag, 8. Juli 2014

Koroska: Land, Leute und Essen im slowenischen Kärnten

Koroska: Ins slowenische Kärnten




Hüben und drüben, auf beiden Seiten der Drau, ist die Landschaft ähnlich und auch die Bevölkerung gleicht sich. Es gibt im österreichischen Kärnten die Minderheit - in manchen Dörfern auch die Mehrheit - an Slowenen, die gewisse Rechte wie zweisprachige Ortsschilder bei einem bestimmten Bevölkerungsanteil haben.





Auf der anderen Seite, in Slowenien, leben die Menschen, die bei der Volksabstimmung 1920 dem damaligen Jugoslawien zugeschlagen wurden. Viel böses Blut und Ärger gab es seither auf beiden Seiten, manchem Leser wird es auch bekannt sein. Ortstafelstreit auf der österreichischen Seite ist nur ein Stichwort.


 
Normalerweise kennt man nur die österreichische Version der Geschichte. Später im Museum erfuhren wir die slowenische, die naturgemäß etwas von dieser abweicht. Welcher man mehr glauben soll kann man als Tourist nicht beurteilen. Schlimm war die Situation seinerzeit jedenfalls für alle Leute, egal zu welcher Volksgruppe sie gehörten und egal wo sie wohnten. Lassen wir‘s also.








Heute aber gehören beide Länder zur EU, beide Länder haben den Euro, und beide Länder kämpfen um Wirtschaftskraft und Touristen. Was liegt da näher, als zusammenzuarbeiten. Und so ist es  auch. Eine erfreuliche Kooperation bestimmt das touristische Leben, und die Slowenen bemühen sich um Ausflügler und Touristen aus Kärnten, denen sie einiges zeigen können.





Libelice: viel zu sehen
Wir habe es uns angeschaut. Zuerst führte uns unsere Begleiterin Nina von Kareta Turizem nach Libelice, einem kleinen Städtchen, na ja, eher ein nettes Dorf, das eine sehenswerte Kirche, ein Bauernmuseum und einige alte Bauerhäuser aufzuweisen hat.




Hierher führt eine Tour Land und Leute, die für Touristen angeboten wird und in die wir hinein schnuppern durften.

Man soll nicht hungrig vom Tisch steigen
Diesen Spruch ihrer Mutter - aller slowenischen Mütter, wie Nina beteuerte - setzte sie sogleich in die Tat um. Obwohl wir vom wie üblich besten und ausgiebigen Frühstück vom Hotel Silvia am Klopeiner See kamen führte sie uns in das wohl Dorfgemeinschaftshaus, wo bereits die Bäuerin Erika wartete. 






Mit einem Begrüßungsschnaps natürlich - der eine eine Art Grappa, das andere ein Kräuterlikör, für den sie unter dem Jahr 38 Kräuter und Blumen sammelt um ihn anzusetzen.





Dann wurden wir mit Frischkäse mit Kernöl und Zwiebeln und herrlicher Salami und anderen Wurstwaren verwöhnt. Anschließend zeigte Erika uns in einem kleinen Koch-Crasch-Kurs, wie man Trenta bäckt.

Trenta: Resteverwertung vom Feinsten
Diese Trenta ist eine Art Resteverwertung wie es sie wohl überall gibt. Hat man vom Brotbacken noch Teig übrig wird er wie eine Pizza flach ausgerollt und geklopft - später im Bauernmuseum hat man uns sogar einen extra Klopfer dazu gezeigt. Diese Trenta wird dann gefüllt mit Frischkäse mit Kümmel, mit Grammeln oder mit süßem Rahm. Ein Mittelding zwischen Quiche Lorraine und Pizza. Sehr empfehlenswert.





Anschließend stieß die lokale Fremdenführerin Natascha zu uns. Auch sie wie Nina perfekt in Deutsch, wie praktisch. Slowenisch ist halt doch keine Sprache, die man gemeinhin spricht.



Vor dem Haus steht bei einem Bildstock, wie man sie auch aus Kärnten kennt, die ehemalige Feuerspritze. Sie gelangte im Zuge der politischen Entwicklung vor rund 100 Jahren nach Österreich und wurde in einer krimireifen Nachtaktion wieder zurückgeholt. Es soll sogar noch ein Film über diese Aktion existieren.



Das Beinhaus der Kirche in Libelice - eine Seltenheit
Natascha führte uns zuerst in die hoch gelegene Kirche von Libelice und erzählte von der Geschichte dieser alten Martinskirche und dem Beinhaus. Solche Beinhäuser gibt es nur noch insgesamt 3 in Slowenien, das hiesige ist aber das einzige mit noch altem „Inhalt“, nämlich den Knochen der Verstorbenen. Die Kirche war eine Urpfarrei der Gegend und hier wurden Leute aus weiter Umgebung bestattet, so dass der Platz für die Toten bald zu wenig war. Hallein im Salzkammergut lässt grüßen.











Danach besuchten wir die Volksabstimmungsausstellung im ehemaligen Pfarrhaus, wo sich auch ein altes Klassenzimmer mit originaler Ausstattung befindet. Und was natürlich nicht fehlen darf: In der Schwarzen Kuchl, einer typischen Rauchkuchl, hat Erika ihre Tretas hergerichtet, die sie in der Zwischenzeit gebacken hat. So durften wir diese einfache, aber sehr wohlschmeckende Leckerei auch noch probieren.

















Daneben steht ein schön eingerichtetes Bauernmuseum mit alten bäuerlichen und handwerklichen Gegenständen. Ohne deutsche Führung sind beide Ausstellungen aber schlecht zu verstehen, es kann den Verantwortlichen nur empfohlen werden, deutschsprachige Schilder anzubringen - die Museen lohnen es!









Das Schwein, der König der Tiere oder herrliche Salami…
Die vorletzte Station dieser Reise nach Koroska führte zum Bauernhof Klancnik, wo uns Bauer Marco herzlich empfing. Natürlich wollte er seine wohlschmeckenden Produkte uns auch präsentieren, und so stand wieder essen auf dem Programm. Salami, Yoghurt - dafür hat er sogar mal einen Preis bekommen - Wurst, Most hießen die Leckereien. Marco erzählte in humorvoller Weise von seinem Leben als Bauer, von den Schwierigkeiten, die man in diesem Beruf so hat, von seiner Familie und seinem Bauernhof.





Danach bot er uns eine Führung durch seinen Hof an, was uns zu Kälbchen und Ferkeln brachte - und in seine Schatzkammer, in welcher Salami in Reih und Glied reiften nebst Schinken vom Wildschwein.







Normalerweise könnte man mit einem Traktor-„Zug“ eine Fahrt in seinen Wildpark und seine Jagdhütte machen, in welcher der passionierte Jäger seine Trophäen aufbewahrt. Aber die Zeit drängte, denn es stand noch Rad fahren auf der Petzen auf dem Programm.






Eines soll noch erwähnt werden: diese hervorragenden Bauernprodukte werden ab Hof verkauft. 



Dieter Buck

Info:
Tourismusregion Klopeiner See - Südkärnten, Telefon 0043 (0) 4239 2222, www.klopeinersee.at, info@klopeinersee.at
Kareta Turizem, Telefon 00386 0 2 6200 812, www.narda.si, kareta@narda.si


Schnaps: Damijan und Erika Smolak, www.kmetija-dvornik.si

Hofverkauf: Bauernhof Klancnik, 2370 Dravograd, Slowenien, Podklanc 5, Telefon 00386 31 805 309, www.kmetija-klancnik.si
Unterkunft:
Familienhotel Silvia, Familie Pukart, Westuferstr. 26, A 9122 St. Kanzian/Klopeiner See, www.hotel-silvia.at, office@silvia.co.at
Literatur:
Dieter Buck, Genusswandern in Kärnten. 50 einfache bis mittelschwere Touren. Styria regional. Wien, Graz, Klagenfurt. 2013
Hier können Sie das Buch kaufen: www.styriabooks.at
Empfohlene Karten:
Kompass 65 Klopeiner See Karawanken Ost, 1:50000
Kompass 065 Klopeiner See Bad Eisenkappel, 1:25000
Hier können Sie die Karten kaufen: www.kompass.at

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