Dienstag, 8. Juli 2014

Bad Eisenkappel, 
der Traum der Geologen
 Obir-Tropfsteinhöhlen und Geoparkzentrum Karawanken
 
Zugegeben, diese Überschrift ist schon etwas übertrieben. Aber sie hat einen wahren Kern: Im Frühjahr 2014 wurde hier unter dem Motto „in Stein geschriebene Geheimnisse“ ein Informationszentrum des Geoparks Karawanken eröffnet. 
 
Infozentrum des Geoparks Karawanken
Vom Meeresboden hinauf zu steilen Berggipfeln mit 2000 Meter Höhe, aber auch tief hinunter in Bergwerksstollen und Naturhöhlen - nirgendwo in Mitteleuropa lässt sich die Entstehung einer Gebirgslandschaft beeindruckender nachvollziehen und besser begreifen wie hier, im ersten grenzüberschreitenden Geopark Österreichs. 



Das Geoparkzentrum wurde erst im Frühjahr 2014 eröffnet. Und es bietet dem Interessierten, egal ob Einheimischer oder Tourist, viel: Beispielsweise warten zahlreiche Geopark-Führern mit Spezialausbildung auf Mitwanderer, und unterwegs findet man am Wegesrand interaktive Stationen. So kann man beispielsweise tektonische Prozesse spielerisch nachvollziehen.


Etwas Besonderes ist das Navigationssystem „Geoplus“ im Geoparkzentrum Bad Eisenkappel, denn es hilft beim Planen von Wanderungen - immerhin gibt es 1.000 km beschilderte Wanderwege! Auch in Slowenien ist etwas geboten, denn im Alpin- und Geologiezentrum Zell-Sele wurde eine wetterfeste Kletterhalle mit 60 Routen eingerichtet. Im Grenzort Mežica findet man das slowenische Infozentrum.


13 Gemeinden liegen im Geopark, davon acht in Südkärnten und fünf in Slowenien. Gesamtfläche: 997 km² bei Seehöhen von 541 bis 2.139 m. 
Wir hatten das Glück, in diese großartige Ausstellung vom Geschäftsführer Mag. Gerald Hartmann eingeführt zu werden.
Die Ausstellung wurde nach neuesten Erkenntnissen gestaltet und man kann sich gut vorstellen, dass sie sowohl Kinder wie auch Erwachsene fesselt. Man kann das, was einen interessiert, aktiv gestalten und aufrufen, indem man mit einer Art Füller sich in einem Buch verschiedene Dinge aus dem Geopark anzeigen lassen kann. Das geht von den Gesteinen bis hin zu Wander- und Einkehrmöglichkeiten. Künftig sollen auch noch Videosequenzen eingebaut werden. Dass man hierbei Kinder wohl schlecht wieder weg bekommt das kann man sich lebhaft vorstellen.

Hinauf zu den Obir-Tropfsteinhöhlen


Was wir nicht geglaubt haben, das war eine Besichtigung der Obir-Tropfsteinhöhlen am Abhang des Hochobir - übrigens ein wunderbarer Wanderberg wie wir vor einigen Jahren feststellen durften.

Gegenüber vom Infozentrum ist das Höhlenbüro der Obir-Tropfsteinhöhlen. Von hier aus fährt man mit einem Bus hinauf und lässt sich durch die Tropfsteinpracht führen. Rund 800 Meter beträgt die Länge des Schaubereichs, wobei man einige hundert Stufen auf und ab geht - der Weg ist aber durch Stahltreppen und betonierten Boden gut zu gehen.


Der 2142 Meter hohe Obir ist aus Wettersteinkalk aufgebaut. Kalk ist ein sehr wasserdurchlässiges Gestein, in dem durch chemische Prozesse der Kalk aufgelöst wird und Höhlen entstehen. Durch das tropfende Wasser entstehen Stalagmiten und Stalagtiten.


Bergbau gibt es hier seit dem 11. Jahrhundert. Im Zuge dieses Bergbaus wurden 1870 die Tropfsteinhöhlen auf der Suche nach Blei und Zink entdeckt, durch den Bergbau aber zum Teil stark beschädigt, außerdem wurden die seinerzeit „nutzlosen“ Höhlenräume als Lagerraum für den Gesteinsschutt verwendet. Seit 1991 ist die Obir-Höhle als Schauhöhle für Besucher geöffnet.


Zum Verständnis vorab einige Begriffe:
  • Stalagmit: Wächst von unten nach oben.
  • Stalaktit: Wächst von der Decke herab.
  • Steinsäule: Hier wachsen Stalagmit und Stalaktit zusammen.
  • Sinterfahne: Sintergebilde, das aussieht wie ein geschwungenes Tuch.
  • Excentriques: Stalaktit, der sich krümmt und nach oben wächst.

Am Anfang geht man durch einen 240 Meter langen Bergbaustollen, den Wilhelm-Stollen, danach gelangt man in die einzelnen Höhlenräume. Zuerst wird in einem Kurzfilm die Entstehung und Sprengung des Zugangs zu den Tropfsteinhöhlen gezeigt. 


Danach gelangt man in die Indische Grotte, wo man Näheres über die Entstehung der Steingebilde wie Stalagmiten, Stalaktiten und Sinterfahnen erfährt.


In dem Orgel genannten Raum, dem tiefsten Punkt der Höhlen, erklingen Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge d-moll": Auf Wunsch wird aber auch moderne Musik abgespielt! Das orgelähnliche Gebilde ist eine 6 Meter hohe und 12 Meter breite Sinterwand.


Es folgt die Langen Grotte mit dem Wahrzeichen der Obir-Tropfsteinhöhlen: der pagodenförmige Stalagmit. Er wurde 1991 sogar als Motiv für eine Briefmarke verwendet.


Die Wartburg ähnelt wirklich einer Burganlage, hier bekommt man mit der weltweit ersten HDTV-Projektion in einer Höhle einen stimmungsvollen Eindruck in die Höhle.


Im Tempel des Lichts erfährt man mehr über das Karstsystem und Geheimnis der  so genannten "Kluftspione".


Danach gelangt man in den schönsten Höhlenraum, die Kleine Grotte mit Excentriques, Kalzitkristallen und einem zauberhaften Sintersee - für den man sich allerdings tief bücken muss. Der Excentrique ist ein hakenförmiger Stalagtit, der nach oben wächst und auch „Hexenfinger“ genannt wird. Nahebei wächst auch ein abgeknickter Tropfstein, wohl das Ergebnis eines Erdbebens.


Gesagt soll werden, dass die reine Führung etwa eine Stunde dauert, man aber für den gesamten Ausflug etwa 3 Stunden einrechnen sollte. Und man sollte sich warm anziehen: In der Höhle herrscht eine konstante Temperatur von etwa 8 °C.


Die Höhle dient übrigens auch anderen Zwecken, denn sie gilt für verschiedene Lebensmittel als geeigneter Aufbewahrungsort. Genannt seien Schokolade, Bier, Wurst und mehr. Und das alles kann man in der Höhlengastwirtschaft genießen oder am Höhleneingang kaufen.


Dieter Buck

Info:
Tourismusregion Klopeiner See - Südkärnten, Telefon 0043 (0) 4239 2222, www.klopeinersee.at, info@klopeinersee.at
Obir Tropfsteinhöhlen, 9133 Bad Eisenkappel, Höhlenbüro, Hauptplatz 7, Telefon 0043 (0) 4238 8239, www.hoehlen.at. Eine Reservierung ist unbedingt erforderlich. Diese kann auch über das Internet geschehen. Zum Höhleneingang kann man nicht mit dem eigenen Auto hinauf fahren.
Unterkunft:
Familienhotel Silvia, Familie Pukart, Westuferstr. 26, A 9122 St. Kanzian/Klopeiner See, www.hotel-silvia.at, office@silvia.co.at
Literatur:
Dieter Buck, Genusswandern in Kärnten. 50 einfache bis mittelschwere Touren. Styria regional. Wien, Graz, Klagenfurt. 2013


Hier können Sie das Buch kaufen: www.styriabooks.at
Empfohlene Karten:
Kompass 65 Klopeiner See Karawanken Ost, 1:50000
Kompass 065 Klopeiner See Bad Eisenkappel, 1:25000
Hier können Sie die Karten kaufen: www.kompass.at
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